Veranstaltung Theater Die Widerspenstige

Die Widerspenstige

Zeitgenössische Komödie

Eine emanzipierte Frau, die sich endlich mal einem Mann fügen soll – darum geht es gewissermaßen in dem Plot von Shakespeares ‘Der Widerspenstigen Zähmung’. Regisseur Ralf Siebelt versucht sich trotzdem an den Stoff anzunähern – auf eine ganz ei­gene Art.

„Wie schäm’ ich mich, dass Frau’n so albern sind. O dass sie herrschen, lenken, trotzen wollen, wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen“, so passt sich Katharina, die Widerspenstige, in Shakespeares Original letztendlich doch ihrer devoten Rolle an. Dass das Werk 400 Jahre alt ist, überrascht bei solchen Aussagen wohl kaum.

„Die Erzählung, ein Mann bricht den eigenständigen Willen einer Frau so lange, bis sie letzten Endes den Kopf unter seinen Stiefel legt – das kann man heute ja gar nicht mehr machen“, meint Siebelt, „konnte man eigentlich noch nie, wie ich finde. Der Plot ist ziemlich grauenhaft.“ Dennoch gibt es seine sehr freie Adaption nun in der shakespeare company.
Inspiration dafür war auch der Roman ‘Die störrische Braut’ von Anne Tyler, der eine zeitgenössische Annäherung an Shakespeares Komödie darstellt.

Die moderne Fassung zeigt Kate als Tochter und Liebhaberin in einem völlig neuen Licht: Sie geht, um ihrem Vater Professor Battista einen Gefallen zu tun, eine Scheinehe ein. Denn der wissenschaftliche Assistent des Professors könnte sonst seine Aufenthaltsgenehmigung verlieren. „Wir haben uns von dem Roman lediglich inspirieren lassen, von der Konstellation der Geschichte, von den Figuren. Darauf aufbauend ist ein neues Stück entstanden“, erklärt der Regisseur.

In der Komödie der shakespeare company wird es also eine Auseinandersetzung mit beiden Versionen geben. Auch Teile aus dem Original tauchen auf, allerdings in einem völlig neuen Kontext: „In unserer Lesart der Geschichte tauchen die Elemente der patriarchalen Unterdrückung als Alptraum, verzerrte Realität, als Angstvorstellung einer modernen Frau auf, die so nicht werden wollte.“ So werde Shakespeare als anarchisches Element genutzt.
Die Rolle der Katharina wird von Svea Meiken Auerbach übernommen. Die Schauspielerin ist bereits seit 2004 Mitglied des Ensembles und wurde zuletzt für ihre Rolle als Rose in ‘Love Love Love’ gefeiert. „Ihre Wandelbarkeit ist schon toll. Das brauchen wir. Und wir haben sehr, sehr viel Spaß miteinander in der Verschränkung des modernen Plots mit der Shakespeareschen Vorlage“, freut sich Ralf Siebelt.

Für den Regisseur ist es das erste Stück an der Bremer shakespeare company. Er hat sich aber bereits einen Namen als Mitglied der Theaterleitung am Theater der Stadt Aalen und am LTT Tübingen gemacht. Auch ein Projekt in Zusammenarbeit mit Strafgefangenen der JVA Hamburg und viele internationale Inszenierungen in Osteuropa gehören zu seiner Arbeit.
Seit 2015 ist Siebelt nun in Bremen und inszenierte für das Theater Bremen zuletzt ‘Scherbenpark’.

Neben einer Thematisierung der Geschlechterfragen und der Frage nach Selbstbestimmung, Abhängigkeit und Zwängen, werden in ‘Die Widerspenstige’ nichts desto trotz auch die zärtlichen Gefühle eine Rolle spielen: „Eigentlich geht es ja gar nicht um Liebe. Es geht um Täuschung. Liebe als reines, unabhängiges Gefühl wird ja missbraucht“, erzählt der Regisseur, „das ist vollkommen unromantisch. Und doch zeigt sich die Liebe durch zahlreiche Ritzen der Geschichte, bricht sich Bahn als Liebe zwischen Geschwistern, zwischen Vater und Tochter und letztlich auch zwischen dem Paar, was im Schatten dieser Kämpfe und Verwicklungen ganz un­scheinbar entsteht. Die Harmonie des Zufalls. Das ist schön.“
Laura Lippert

Premiere am 12. April, 19.30 Uhr, Theater am Leibnizplatz, weitere Termine und Informationen: www.shakespeare-company.com