Lifestyle Interview mit

Interview mit [dunkelbunt]

Der zurzeit in Wien ansässige Kosmopolit Ulf Lindemann verfolgt als DJ, Solist, Producer und Bandleader eine transglobale Agenda und zählt seit über 15 Jahren zu Europas innovativen Protagonisten der Electro- und Weltmusik-Szene.

BREMER: Was verbindest du persönlich mit der Stadt Bremen?
[dunkelbunt]: Ich komme ursprünglich aus Hamburg, war aber früher in Bremen häufig auf Drum and Bass-Partys. Außerdem habe ich schon ein paar Konzerte in der Eule gespielt, entweder als DJ oder mit Band. Als ich das erste Mal nach Bremen kam, war ich sofort fasziniert vom Steintor-Viertel.

Gibt es einen Ort auf der Welt, den du noch nicht besucht hast, dies aber unbedingt noch tun willst?
Es gibt unheimlich viele schöne Orte auf der Welt, da fällt es schwer einen bestimmten auszuwählen. Die Musik hat es mir in der Vergangenheit ermöglicht unzählige dieser Orte zu besuchen und dafür bin ich unglaublich dankbar. Irgendwann bin ich an einen Punkt gelangt, an dem ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr so durstig nach der Ferne bin, da ich all die Erfahrungen ferner Orte immer in meinem Herzen mit mir herumtrage.

Auf deinen Alben hört man immer wieder unterschiedlichste Sprachen. Welche Rolle spielen sie in deinen Songs?
Dadurch, dass ich die meisten dieser Sprachen nicht spreche, zählt für mich eher der Klang der Sprache, als was die einzelnen Wörter bedeuten. Jede Sprache hat ganz eigene Klangeigenschaften. Manche sind zum Beispiel eher weich, andere hingegen haben einen perkussiven Charakter. Wobei sich einige Sachen auch aus Zufall ergeben, wenn man zum Beispiel mit Künstlern aus Serbien oder Russland arbeitet. Generell bin ich immer offen, für das, was anders ist.

Wie schaffst du es, das ständige Unterwegs sein mit dem Familienleben zu verbinden?
Bevor die Familie kam, war ich total viel unterwegs. Früher saß ich zum Teil jedes Wochenende im Flugzeug. Als mein erstes Kind dann zur Welt kam, habe ich mich bewusst dafür entschieden, das Touren etwas zurück zu schrauben.

Gibt es bestimmte Rituale, mit denen du dich auf einen Auftritt vorbereitest?
Bei mir ist es meistens so, dass ich bis kurz vor dem Auftritt nochmal alle Geräte und die Technik überprüfe. Also bei mir ist da keine Erdung angesagt, wie bei manch anderen Künstlern, die sich vorher ganz in Ruhe einsingen. Meistens komme ich nicht einmal dazu, etwas zu essen.  Dann auf die Bühne zu kommen, ist für mich der entspannte Teil, da zahlt sich dann die harte Vorbereitung aus.

Deine Songs sind so vielschichtig, dass man sie auch mit einem Orchester auf die Bühne bringen könnte. Inwieweit ist das Teil deiner Zukunftsplanung?
Da träume ich schon seit ungefähr zehn Jahren von. Es scheiterte aber bis jetzt immer am Budget. Auch zu fünft oder zu sechst auf Tour zu gehen ist schon ein Kompromiss: Viel lieber wäre ich mit zehn Leuten oder mehr unterwegs.

Womit vertreibst du dir gerne die Zeit, wenn du mal nicht mit der Musik beschäftigt bist?
Als Vater von drei Kindern wird man ziemlich auf Trab gehalten. Abgesehen davon koche ich sehr gerne, weil das dem Musizieren sehr ähnlich ist. Man kombiniert verschiedene Elemente zu einem harmonischen Ganzen. Außerdem liebe ich die Natur und die Berge.

In deiner Diskographie finden sich Stilanleihen aus vielen verschiedenen Genres wieder, die immer wieder neu interpretiert werden. Woraus beziehst du die Inspiration für diese zum Teil sehr außergewöhnlichen Kombinationen?
Dafür gibt es kein Standard-Rezept. Die Herangehensweisen sind so unterschiedlich wie die Sounds selber, die man in den Titeln hört. Je mehr ich produziere, desto selektiver werde ich aber, da ich mich ungern wiederholen möchte. Das stellt allerdings selten ein Problem dar, weil es unzählige Sounds da draußen gibt, mit denen man arbeiten kann.

Kannst du uns schon eine Vorschau geben, was wir als nächstes aus dem [dunkelbunt]-Kosmos erwarten können?
Ich bin gerade dabei viele Titel zu selektieren, da ich eine Compilation in den Startlöchern habe, die bald veröffentlicht wird und den schönen Namen ‚Bass of Asia‘ trägt. Davon wird es eine ganze Reihe geben, zum Beispiel mit Titeln wie ‚Bass of India‘ oder ‚Bass of Arabia‘.  Wie der Name schon vermuten lässt, wird diese Reihe sehr basslastig ausfallen.

Ruben Schiefke

BREMER November 2019