Mit einer enormen Vielfalt glänzt die weltweit größte Jazzmesse ‘jazzahead!‘ vom 27. bis 30. April in Bremen. Sie ist einer der wichtigsten Treffpunkte für die internationale Jazzszene und lädt zum Vernetzen ein. Partnerland ist in diesem Jahr Deutschland.

Die Showcases, 30- bis 45-minütige Kurzkonzerte, sind für alle Gäste offen. Vier internationale Experten-Jurys wählten 36 Bands aus, die über drei Tage hinweg ihre Konzerte präsentieren. Die Jazzmusiker:innen haben so die Chance, Veranstalter und Festivals auf sich aufmerksam zu machen.

Am 27. April wird der Deutsche Jazzpreis im Metropol Theater Bremen verliehen. Der Preis wird seit 2021 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vergeben und findet erneut in Kooperation mit der jazzahead! statt. Daran schließt sich ein Konzertabend an. Die Preisverleihung findet am späten Nachmittag vor Fachpublikum und geladenen Gästen statt und kann online auf der Webseite des Deutschen Jazzpreises und im Radio auf verschiedenen ARD Kulturwellen ab 17 Uhr im Livestream verfolgt werden. Der anschließende Konzertabend ab 20.30 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr) ist für alle offen.

Deutscher Jazzpreis

Es gibt Preise in 31 Kategorien. Die Preisträger:innen werden mit einer Trophäe und einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro prämiert. Die Fachjury des Deutschen Jazzpreises setzt sich aus 25 Persönlichkeiten aus den Bereichen Jazz und improviserte Musik zusammen. Um alle Blickwinkel dieser Musikszene abzubilden, besteht die Jury als repräsentativer Querschnitt aus je fünf Personen der folgenden Bereiche: Künstler, Labels/Verlage, Clubs/Festivals, Management/Agenturen sowie Journalisten/Medienvertreter. Die Hauptjury wiederum setzt sich aus 10 Vertretern dieser Fachjurys zusammen und aus 7 weiteren Mitgliedern, die herausragende Persönlichkeiten des kulturellen öffentlichen Lebens mit Jazzaffinität sind. Auch in diesem Jahr soll die Zusammensetzung der Jury die Diversität der nationalen und internationalen Jazz­szene repräsentieren.

Sänger und Komponist Rabih Lahoud bestreitet 2023 bereits seine zweite Amtszeit in der Jury des Deutschen Jazzpreises. Er sagt: „Der Deutsche Jazzpreis ist ein hervorragendes Antidot gegen institutionelle Engstirnigkeit und strukturelle Starre im deutschen Jazzbetrieb. Im Deutschen Jazzpreis sitzen nicht nur alle zusammen am gewohnten alten Tisch, sondern hier wird auch mit einer neuen Tischordnung über eine hoffnungsvolle und neue Jazz- Rezeptur verhandelt. Dadurch wird die deutsche Jazzszene würdevoll auf die globale und diverse Weltbühne gehoben. In meiner Arbeit als Juror empfinde ich große Freude und Ernsthaftigkeit und bin entschlossen, diese zukunftsorientierte Jazzinstitution mit meiner Arbeit, mit meiner Stimme und mit meinem Herzen so lange es geht zu unterstützen.“

In einer Pressekonferenz am 12. April teilt der Deutsche Jazzpreis mit, wer den Preis fürs Lebenswerk für sich entscheidet. Alle anderen Gewinner:innen der übrigen 30 Kategorien bleiben bis zum Verleihungsnachmittag geheim.

Fünf Live-Auftritte von Nominierten gestalten den Prozess der Bekanntgabe mit: Cansu Tanrikulu im Duo mit Nick Dunston sowie Terri Lyne Carrington im Trio mit Lakecia Benjamin und Felix Henkelhausen.

Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, betont die Wichtigkeit der Auszeichnung: „Jazz bekommt hierzulande noch viel zu oft nicht die öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung, die er verdient. Das wollen wir mit unserer Jazzförderung ändern. Gerade nach den vergangenen zwei Jahren, die stark von der Pandemie geprägt waren, ist eine Veranstaltung wie der Deutsche Jazzpreis besonders wichtig. Denn damit zeigen wir die kreative Schaffenskraft, die künstlerische Qualität und die Vielfalt dieses Genres. Und der Jazz erhält seine verdiente Aufmerksamkeit.“

Tickets für den anschließenden Konzertabend können über die Webseite des Deutschen Jazzpreises, den offiziellen Vorverkauf des Metropol Theaters und allen weiteren VVK-Stellen erworben werden. Das großartige Moderationsduo Hadnet Tesfai und Max Mutzke begleitet durch den Abend.

Es spielen Natalie Greffel, nominiert in der Kategorie ‘Vokal’, Anika Nilles, nominiert in der Kategorie ‘Schlagzeug/ Perkussion’, und Michael Mayo, der beim Deutschen Jazzpreis 2022 als ‘Künstler des Jahres international’ ausgezeichnet wurde.

Alle, die am 27. April nicht live dabei sein können, haben die Chance, den Konzertabend am Sonntag, den 7. Mai ab 0.05 Uhr im NDR und ab 10.55 Uhr auf 3sat zu sehen oder danach in der ARD-Mediathek abzurufen.

Clubnight

Das Highlight für das breite Publikum ist wie in den vergangenen Jahren die Clubnight am 28. April. „Ein Ticket, eine Nacht und 30 Clubs“, lautet das Motto. Das All-in-One-Ticket, 35 Euro/ermäßigt 20 Euro, beinhaltet außerdem den öffentlichen Nahverkehr im Verkehrsverbund Bremen Niedersachsen (VBN).

Die Clubnight verwöhnt mit der vollen Bandbreite an musikalischer Fusion. So erleben die Gäste in Locations wie dem Irgendwo, der Villa Sponte oder dem Kito den Jazz mit Pop- und Elektro-Anteilen. In Richtung Worldmusic bewegen sich die Konzerte im Lagerhaus, Focke-Museum oder in der Kulturkirche St. Stephani. Fans von R’n’B, Hip-Hop und Soul besuchen das Theater Bremen oder das Kränholm. Wer den Jazz am liebsten in Verbindung mit Folk oder Rock hört, der geht am besten ins ACHAT Hotel.

Der Sendesaal Bremen präsentiert drei Acts rund um das britische Label ‘Edition Records‘, das ihr 15-jähriges Bestehen feiert. Der Pianist und Komponist Dave Stapleton gründete das Label 2008 mit dem Ziel, Musik mit einer klaren Botschaft auf mutige Weise zu verbreiten. Die Clubnacht im Sendesaal stellt drei Programmpunkte vor, die derzeit bahnbrechende Musik bei Edition Records veröffentlichen und damit Innovation, Kunstfertigkeit und einen zukunftsorientierten Ansatz demonstrieren: das Sun Mi Hong Quintet, Lionel Loueke mit der Gitarre und Jasper Hoiby’s Planet B.

Ähnlich klassisch geht es im HFK Jazzclub und im bremer kriminal theater zu. Die Lila Eule setzt eine Auswahl dänischer Bands in den Mittelpunkt der Nacht und für Partys im Anschluss der Konzerte sorgen vor allem das Viertel und die Neustadt.

Das Kick-Off-Konzert zur Clubnight startet bereits um 17 Uhr auf dem Bremer Marktplatz mit dem kroatisch-slowenischen Frauen-Duo ‘freekind’, das mit einer Mischung aus Indie-Pop und Singer-Songwriting auch im Klub Dialog am Neustädter Weserufer auftreten wird.

Fotos: Lothar Bienkowski/Fynn Freund/Nikolai Wolff

Chantal Moll

Jazzahead!, 27. bis 30. April, Messe Bremen

Deutscher Jazzpreis, 27. April, Metropol Theater, Verleihung: 17 bis 19 Uhr, Konzertabend: 20.30 bis 22 Uhr

36 Showcase-Konzerte, 27. bis 29. April, Messehalle 7 und Kulturzentrum Schlachthof

Clubnight, 28. April, 30 Clubs in Bremen

Komplettes Programm und Tickets: www.jazzahead.de

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