Geboren wurde Melanie Raabe 1981 in Jena. Sie studierte Medienwissenschaften und Literatur in Bochum. Sie betreibt einen eigenen Interview-Blog und wurde für ihre Werke bereits mehrfach ausgezeichnet. Ihr letzter Thriller ‘Die Falle’ war ein internationaler Bestseller und wurde in 21 Länder verkauft. Unsere Redakteurin Fanny Quest führte mit der in Köln lebenden Autorin für den BREMER ein exklusives Interview.

BREMER: TriStar Pictures sicherte sich die Filmrechte für ‘Die Falle’. Außerdem wurde Ihr Thriller bereits vor der Erscheinung in viele europäische Länder verkauft. Hätten Sie mit solch einem Erfolg gerechnet und was hat sich seitdem für Sie verändert?
Melanie Raabe: Es war lange Jahre mein Traum, einen Verlag für meine Bücher zu finden und gelesen zu werden. Aber niemals hätte ich mir einen solchen Erfolg erträumt. Heute lebe ich vom Schreiben, lese im In- und Ausland aus meinen Büchern und bekomme Nachrichten aus aller Welt. Das ist für mich immer noch im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar.

Ihr neuer Roman ‘Die Wahrheit’ ist rätselhaft, mit vielen Wendungen. Was gefällt Ihnen an Ihrem neuen Buch besonders?
Die kleine, seltsame Liebesgeschichte, die ich in der Thrillerhandlung versteckt habe, mag ich tatsächlich sehr gerne.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und was bedeutet es für Sie?
Das Schreiben begann für mich mit dem Lesen. Ich habe schon als Kind prall gefüllte Büchertaschen aus der Stadtbibliothek meines Heimatortes geschleppt. Irgendwann lag es dann nahe, auch einmal eigenes aufzuschreiben. In meinen Zwanzigern habe ich schließlich damit begonnen, erste längere Texte zu schreiben – und sie anzubieten. Zunächst mit geringem Erfolg: Meine ersten vier Manuskripte wurden von allen Verlagen abgelehnt. Manuskript Nummer fünf war dann ‘Die Falle’. Das Schreiben ist für mich nicht nur Beruf, sondern auch Berufung, Freude, Ausdruck, Wetzstein und Therapie.

Wie sind Sie aufgewachsen? Fühlen Sie sich in Ihrer heutigen Wahlheimat Köln zu Hause?
Mein Abitur habe ich wohlbehütet in einer Kleinstadt in NRW gemacht, bin danach zum Studium nach Bochum und anschließend nach Köln gezogen. Ich fühle mich hier absolut zu Hause. Den kölschen Grundsatz vom „Leben und leben lassen“ schätze ich sehr. Nur während des Karnevals treibt es mich aus der Stadt…

Als Autorin hat man keinen geregelten Arbeitsalltag. Wie und wo schaffen Sie sich Strukturen zum Schreiben?
Die wichtigste Zeit zum Schreiben ist für mich der Morgen. Da klingelt noch nicht das Telefon, da poppen noch nicht dutzende Nachrichten auf dem Monitor auf. Ich bin noch ganz klar im Kopf, kann meine eigenen Gedanken, meine eigene Sprache ganz deutlich hören. Den Morgen halte ich mir so häufig wie möglich zum Schreiben frei.

Was inspiriert Sie?
Oh, so vieles! Menschen. Fremde ebenso wie Vertraute. Reisen. Großstädte. Die Natur. Das Theater, der Film, bildende Kunst. Und Musik. Ich höre viel Musik beim Schreiben. ‘Die Falle’ ist zu Songs von Radiohead entstanden – daher habe ich der Band in meinem zweiten Buch, ‘Die Wahrheit’, ein literarisches Denkmal gesetzt: Sarah und ihr Mann Philipp lernen sich auf einem Radiohead-Konzert kennen.

Wie verbringen Sie die Weihnachtszeit? Werden neben dem Schreiben auch viele Kekse gebacken?
Grundsätzlich bin ich ein Sommerkind, ich brauche Wärme und Licht! Aber die Weihnachtszeit und alles, was damit zu tun hat, liebe ich. Ich verbringe sie grundsätzlich mit meiner Familie. Aufs Plätzchenbacken freue ich mich dieses Jahr besonders: Endlich kommt mein brandneuer Einhorn-Plätzchen-Ausstecher zum Einsatz!

Erst der Brexit und nun wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Bereitet es Ihnen Sorgen und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Natürlich bereitet mir das Sorgen. Man muss – sehr verkürzt gesagt – den Eindruck gewinnen, dass derzeit vor allem die Erfolge feiern, die am lautesten brüllen. Zu Lasten von liberalen Werten und vor allem zu Lasten von Argumenten. Ich würde mir wünschen, dass der Diskurs – und da schaue ich nicht so sehr auf die UK oder die USA, sondern vor allem auf unser Land – wieder versachlicht wird. Vor allem aber wünsche ich mir Klarheit gegenüber denen, die meinen, Rassismus, Sexismus, Angriffe auf die Selbstbestimmung oder gar auf das Wohlergehen anderer mit einer diffusen Sorge vor dem Fremden rechtfertigen zu dürfen. Das kann und darf nicht sein. Deutschland ist ein in vielerlei Hinsicht großartiges und weltoffenes Land, und wir müssen tun, was wir können, damit es so bleibt – oder sogar noch besser wird. Fanny Quest

Melanie Raabe
Die Wahrheit

Vor sieben Jahren verschwindet der reiche Geschäftsmann Philipp Petersen während einer Südamerikareise spurlos. Daraufhin zieht seine Frau Sarah, 37, den gemeinsamen Sohn alleine groß, bis sie die Nachricht erhält, dass Philipp am Leben ist. Die Rückkehr des vermeintlichen Entführungsopfers löst ein gewaltiges Medieninteresse aus. Nach all der Zeit hat Sarah zwiespältige Gefühle. Gibt es eine gemeinsame Zukunft? Sie ist auf alles vorbereitet, nur auf das eine nicht: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht ihr Ehemann. Es ist ein Fremder und er droht ihr: Wenn sie ihn jetzt bloßstelle, werde sie alles verlieren: ihren Mann, ihr Kind, ihr ganzes scheinbar so perfektes Leben…

(Foto: Christian Faustus)