Soeben erscheint Katrin Bauerfeinds drittes Buch: ‘Alles kann, Liebe muss. Geschichten aus der Herzregion‘. BREMER-Autorin Fanny Quest führte ein exklusives Interview.

BREMER: Wieso das Thema Liebe?
Katrin Bauerfeind: Da draußen gibt’s gerade relativ viel Hass. Hass gilt immer als sehr ernst, Liebe dagegen immer sofort als kitschig. Hass ist total einfach, Liebe macht Arbeit. Aber gerade jetzt können wir die Liebe nicht der Werbung, dem Zynismus oder dem Schlager überlassen. Wir alle brauchen doch diese Momente, in denen die Seele tanzt, keinen Discofox, sondern ausgelassen wild und mit den Armen rudernd. Und deswegen das Buch und das Programm dazu: Viagra fürs Herz und lachen für die Liebe. Ich schreibe und erzähle ja auch auf der Bühne lustige Kurzgeschichten und die eignen sich ganz gut, um alle Facetten abzudecken, von der Eltern- über die Nächstenliebe bis hin zur Liebe in Beziehungen.
Und als Beispiel: Ich hab neulich halb semilegal in einer Einfahrt geparkt, weil ich nur ganz kurz bei einer Freundin was abholen wollte. Als ich wieder zurückkam, hatte ich einen Zettel an der Windschutzscheibe, auf dem stand: „Sie parken faktisch vor einer Einfahrt. Beim nächsten Mal Spiegel ab. Arschloch!“ Erst dachte ich. Ach, da bin ich im Internet aber schon schlimmer beschimpft worden und dann hab ich mich doch reingesteigert in die Wut über den Zettel. Kurze Zeit später werde ich eingeparkt und als ich schon hässliche Schimpfwörter auf die Rückseite meines Zettelschreibers kritzeln will, fällt mir ein: Vielleicht sollten wir alle Zettel dabei haben, auf denen steht: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Und Liebe.“ Und die hängen wir an die Scheiben. Wenn das mit Hass klappt, klappt es ja vielleicht auch andersrum. Und vielleicht retten wir damit nicht die Welt, aber die Stimmung für ein paar Stunden und vielleicht macht das ja am Ende den Unterschied.

Denkst du, es gibt DIE Eine oder DEN Einen, oder passen zu uns mehrere Partner?
Kann man so pauschal nicht sagen, für manche gibt es nur den Einen, manche finden mehrere, die passen. Gerade die Liebe lässt einem ja viele Möglichkeiten und zu all dem habe ich Geschichten zusammengetragen, von Paarliebe über Hassliebe, Nächstenliebe, Heimatliebe, Elternliebe und Tierliebe. Ich hab alle Facetten des komischsten Gefühls, seit es Menschen gibt, abgedeckt. Mir ist am wichtigsten, dass gelacht wird.

Glaubst du an lebenslange Beziehungen oder verändern wir uns über die Zeit zu sehr?
Auch das ist eine Typfrage. Helmut und Loki Schmidt sind ihr Leben lang zusammen gewesen und wirkten recht froh. Daraus zu schließen, dass das für alle Menschen erstrebenswert ist, führt wieder zu komischen Idealen, an denen andere eher zerbrechen, weil’s für sie eben nicht stimmt. Ich bin dafür, dass da jeder selbst schauen muss, wo sein Glück liegt und dann einfach mehr aufs Herz als auf die Gesellschaft hören.

Was für Geschichten erwarten den Leser?
Lustige Geschichten. Von Herzen und fürs Herz. Ich hab alles drin. Von der ersten großen Liebe, wo man sich bis heute an Details wie verschwitzte Hände erinnert bis hin zu einem verkorksten Date, bei dem der Typ direkt mal mit dem Satz: Mädle, du bist ein Lachs! eingestiegen ist. Aber es geht auch um die schwierigen Momente der Liebe, wenn man jemandem sagen will, dass man ihn gern hat und am Ende keift man sich an. Bei der Liebe kommt man manchmal nur über Irrwege zum Ziel. Aber so oder so: bei mir gibt’s auf jeden Fall Viagra fürs Herz und damit viel Spaß.

Was wärst du noch gerne geworden?
Ich finde das Leben macht unglaublich viele spannende Angebote. Schade, dass man nur so wenig ausprobieren kann.

Lieber Berge oder Meer? Lieber Hund oder Katze?
Berge und Katze.

Hast du ein Lebensmotto?
Nimm alles mit, lass dich nicht nerven und versuch immer nett zu sein, wenn’s geht.

Katrin Bauerfeind
Alles kann, Liebe muss
Geschichten aus der Herzregion

Das Herz ist vermintes Gelände. Unbekannte Gegend, gefährliches Terrain. Aber es nutzt nichts. Wir müssen Liebe wagen. In allen Formen. In allen Aggregatzuständen. Katrin Bauerfeind wühlt sich durch alle Facetten dieses Gefühls. Sie hebt die kleinen emotionalen Schätze aus dem Alltag, fragt sich, wo die Liebe herkommt, wo sie hingeht, wenn sie weg ist, wie man sie findet, verliert und wiederfindet, und was es überhaupt damit auf sich hat. Es ist ein Plädoyer für mehr Liebe. Ein Aufruf, dem grassierenden Hass etwas entgegenzusetzen, Viagra fürs Herz, ein heiteres Gegengift zur dunklen Lage da draußen. Zu all dem gibt’s in diesem Buch Geschichten, selbst erlebte und selbst ausgedachte. Lustige, melancholische, liebevolle. Geschichten, nach denen Sie hoffentlich das Buch zuklappen und sagen: ‚Liebe, ja sicher! Her damit! Los geht’s!‘ S. Fischer, 14,99 €

(Foto: AF)