Veranstaltung Kunst Prof. Raphael Sbrzesny im Interview

Prof. Raphael Sbrzesny im Interview

DER KÖRPER ALS INSTRUMENT

Raphael Sbrzesny studierte Neue Musik, Klassisches Schlagzeug und Kammermusik in Stuttgart und Paris, Experimentelles Musiktheater und Komposition in Bern sowie Bildende Kunst und Theorie in Stuttgart und München. In den letzten Jahren entwickelte er eine Vielzahl von Figuren, um die herum jeweils komplexe Raumanordnungen aus Videos, Skulpturen und Performances entstanden sind. Seit einiger Zeit ist er Professor für Kreation und Interpretation mit den Schwerpunkten Sound, Performance und Konzept an der Hochschule für Künste Bremen. Diese in der deutschen Hochschullandschaft einzigartige Professur ist an der Schnittstelle der Fachbereiche Musik sowie Kunst und Design angesiedelt und stärkt damit das interdisziplinäre Profil der HfK Bremen.

Was gefällt Ihnen besonders an Bremen?
Man hat mich in der kurzen Zeit, die ich jetzt da bin, sehr herzlich empfangen. Die Weser in der Stadt macht meiner Meinung nach eine große Qualität aus, weil es immer so ganz leicht nach Meer riecht. Außerdem ist die Atmosphäre an der Hochschule mit den vielen Fachbereichen, Kollegen und unterschiedlichen Studierenden sehr schön! Da ich als Bildender Künstler in den letzten Jahren auch sehr viel alleine unterwegs war, genieße ich auch sehr die wöchentliche Arbeit in einer Institution, weil man längerfristig etwas aufbauen kann.

Haben Sie, abgesehen von Ihrer neuen Stelle als Professor noch andere Projekte am laufen?
Ich arbeite derzeit an einer neuen größeren Installation, die 2019 im Rahmen der Stipendiaten-Ausstellung des Karl Schmidt Rottluff Stipendiums in der Kunsthalle in Düsseldorf gezeigt wird und bin auf der Longlist für den Preis der Nationalgalerie in Berlin.

Neben Kunst und Musik, gibt es da noch Zeit für andere Hobbys?
Keine Zeit für Hobbys. Außer Fußball schauen und leckere Getränke dabei trinken vielleicht, wenn das als Hobby zählt.

Was sind Ihre Wünsche für das kommende Jahr?
Mit viel Energie unterrichten, viel von den Studierenden lernen, Kooperationen anzetteln, gute Kunst und Musik machen, nicht ironisch oder sarkastisch werden, über eine Welt nachdenken, in der Reaktionäres, Vereinfachungen und Unterkomplexität attraktiv sind und diesen Vereinfachungen mit einer rotzigen Ernsthaftigkeit begegnen.

Wie entstand der Kontakt zur HfK und die Möglichkeit dieser einzigartigen Professur?
Ganz konventionell: Ausschreibung, Bewerbung, langes, vielschichtiges Auswahlverfahren, viele Gespräche führen, Hochschule kennenlernen, anfangen.

Welche Idee steckt hinter Ihrer ‘Interpretenkammer’?
Einen Ort zu schaffen, an dem sich die Studierenden der Musik und der Kunst und des Designs zum Experimentieren treffen können, an der Schnittstelle der Disziplinen.

Welche Art Seminare bieten Sie an und wie sind diese inhaltlich strukturiert?
Ein gutes Beispiel wäre sicher das Labor KREATION. Das Labor ist offen für Studierende aller Fachbereiche, die an der Schnittstelle von Sound, Performance und Konzept arbeiten oder an Verschränkungen dieser Themen arbeiten wollen. Ziel des Labors ist es, sich gegenseitig Arbeiten zu zeigen und sich auszutauschen. In eher dynamischen Konstellationen soll das Labor als Raum verstanden werden, in dem diskutiert, experimentiert und gemeinsam nachgedacht wird.

Kann es aufgrund Ihrer interdisziplinären Professur dazu kommen, dass sowohl Kunst- als auch Musikstudenten an demselben Seminar teilnehmen?
Unbedingt, das ist die Idee!

Inwieweit muss man zwischen diesen Gruppen differenzieren?
Grundsätzlich gehe ich von einer Gleichheit der Intelligenzen aus. Obwohl wir es in der Musik (mit Ausnahme der Komposition) hauptsächlich mit einem Repertoirestudiengang zu tun haben, in dem viel Zeit für das Erlernen eines komplexen Handwerks und komplexer Stücke investiert werden muss und man in der Kunst an der unmöglichen Möglichkeit, eine eigene künstlerische Praxis und Logik zu entwickeln arbeitet, gibt es eine Menge Überschneidungen und Fragen an die Welt, die wir ja alle zusammen bewohnen.

von Ruben Schiefke

(Foto: Frank Kleinbach)

BREMER Oktober 2019
BREMER Oktober 2019