Claudia Granig im Interview – Face Yoga

Claudia Granigs Reise zum Gesichtsyoga begann mit einer Zornesfalte auf einem Foto – anstelle von Botox setzte sie auf den Rat einer Freundin und war schnell von den Effekten überzeugt. Während der Pandemie ließ sie sich von der britischen Expertin Danielle Collins ausbilden und vertiefte ihr Wissen in Gesichtsyoga, Schröpfen und Gua Sha. Heute unterstützt sie Frauen dabei, ihre natürliche Schönheit zu entdecken und das Älterwerden als etwas Positives zu begreifen. BREMER-Autorin Fanny Quest führte ein exklusives Interview mit ihr.
BREMER: Wie wirkt Face Yoga – und wann sieht man erste Ergebnisse?
Claudia Granig: Face Yoga wirkt auf mehreren Ebenen: Es stärkt die Gesichtsmuskulatur, hebt Konturen, regt Durchblutung und Lymphfluss an. Dadurch wirkt die Haut rosiger, frischer und Schwellungen gehen zurück. Auch das Bindegewebe wird durch gezielte Reize aktiviert, was langfristig die Produktion von Kollagen und Elastin fördert. Schon nach der ersten Einheit spürst du erste Veränderungen. Nach vier bis acht Wochen zeigen sich definiertere Konturen und kräftigere Muskeln. Wer regelmäßig übt, festigt die Ergebnisse nach etwa drei bis sechs Monaten – sie bleiben auch bei kurzen Pausen stabil.
Warum ist die Methode mehr als nur ein Beauty-Trend?
Face Yoga vermittelt Körperwissen und echte Veränderung. Es geht nicht um schnelle Effekte, sondern um Achtsamkeit, Kontinuität und Selbstverantwortung. Viele erleben neben sichtbaren Ergebnissen auch weniger Stress und mehr Akzeptanz fürs Älterwerden.
Welche Übung ist dein persönlicher Favorit für den Alltag?
Einen echten Favoriten habe ich nicht – ich liebe die Vielfalt der Methode. Je nach Tag brauchen Augen, Kinnlinie oder Nacken unterschiedliche Aufmerksamkeit.
Zwei alltagstaugliche Übungen, die ich oft empfehle:
Katzenaugen: Hände auf die Schläfen legen, leicht nach oben schieben, Augen fest schließen, dabei bewusst atmen. Etwa 10-15 Sekunden halten, dreimal wiederholen.
Gecko: Kinn leicht anheben, Zungenspitze zur Nasenspitze führen. Ebenfalls 10-15 Sekunden halten und wiederholen. Diese Übung wirkt gezielt gegen das Doppelkinn.
Wie oft sollte man Face Yoga praktizieren, um Erfolge zu sehen?
Sechsmal pro Woche für 15 bis 20 Minuten ist ideal, um sichtbare Fortschritte zu erzielen. Gesichtsmuskeln brauchen häufige, aber moderate Reize. Wenn das zeitlich nicht machbar ist, sind tägliche Kurzsessions von drei bis fünf Minuten eine gute Alternative – besonders für Einsteiger oder im Alltag. Zwei bis drei Einheiten pro Woche reichen zur Erhaltung aus, sobald du erste Ziele erreicht hast.
Ab welchem Alter lohnt es sich zu beginnen und hört man im hohen Alter auf?
Face Yoga kennt kein Mindest- und kein Höchstalter. Je aktiver und beweglicher das Gesicht, desto gesünder arbeitet es – wie beim Körper. Wer früh beginnt, beugt Verspannungen vor und schafft gute Voraussetzungen. Aber auch Späteinsteiger können viel erreichen, denn Muskulatur und Nerven bleiben lange anpassungsfähig. Wichtig ist: langsam steigern, Pausen einbauen und regelmäßig üben. Es geht nicht um Leistung, sondern um Kontinuität. Ein aktives Gesicht ist ein gesundes Gesicht, unabhängig vom Alter.
Was macht dein Konzept so ganzheitlich?
Ich verstehe Face Yoga als ganzes Lebenssystem.
Erstens: Ich arbeite nie nur am Symptom. Bei Nasolabialfalten schaue ich aufs gesamte myofasziale System – von Körperhaltung über Nacken bis zum Lymphfluss.
Zweitens: Ich kombiniere Methoden wie Muskeltraining, myofasziale Massage, Lymphdrainage und Entspannung. Die Wirkung entsteht im Zusammenspiel.
Drittens: Ich vermittle Verständnis. Teilnehmer:innen lernen nicht nur Übungen, sondern auch die anatomischen Zusammenhänge – sie werden Expertinnen ihres eigenen Gesichts.
Viertens: Ich beziehe den Lebensstil mit ein. Schlaf, Stress und Alltag wirken direkt aufs Gesicht.
Und fünftens: Es geht um Selbstwirksamkeit. Wer lernt, das eigene Gesicht bewusst zu beeinflussen, verändert auch Ausstrahlung und Selbstbewusstsein.
Was rätst du Menschen, die ihrem Gesicht natürlicher begegnen wollen?
Hör auf, dein Gesicht als Problem zu sehen. Unsere Gesellschaft hat uns beigebracht, dass Altern ein Fehler ist – doch dein Gesicht erzählt deine Geschichte.
Mein wichtigster Rat: Entwickle eine liebevolle Beziehung zu deinem Gesicht. Nimm dir morgens zwei Minuten, schau in den Spiegel und berühre es sanft – nicht kritisch, sondern dankbar. Lerne zu entspannen: Stirn, Augenpartie, Kiefer – viele tragen dort unbewusst Spannung. Allein bewusstes Loslassen verändert deine Ausstrahlung.
Achte auch auf Schlaf, Wasser, Stress: Dein Lebensstil zeigt sich im Gesicht. Und: Sei geduldig. Natürliche Veränderung braucht Zeit, wirkt aber nachhaltiger als jede Spritze. Wer sein Gesicht bewusst pflegt, strahlt präsenter und selbstbewusster – das ist wahre Pro-Aging-Pflege.
Hast du einen Wunsch?
Ich wünsche mir, dass wir Schönheit wieder ganzheitlich verstehen. Dass Frauen sich nicht „reparieren“ lassen wollen, sondern ihre natürliche Schönheit als kraftvoll und wertvoll erkennen. Und dass Mädchen aufwachsen, ohne zu glauben, ihr Wert hänge von makellosen Gesichtszügen ab. Wenn ich durch meine Arbeit nur einer Frau helfen kann, ihre Beziehung zu sich selbst zu heilen und ihre Ausstrahlung von innen heraus zu leben, dann hat sich alles gelohnt.
Hast du ein Lebensmotto?
„Schönheit ist nicht das, was du siehst, sondern das, was du ausstrahlst.“ Dieser Satz begleitet mich täglich. Wahre Attraktivität kommt von innen – aus Selbstliebe, Authentizität und dem achtsamen Umgang mit sich selbst. Wer lernt, sich zu schätzen, strahlt Präsenz, Selbstbewusstsein und innere Ruhe aus. Das ist es, was andere wirklich berührt.
FQ

Claudia Granig geht es nicht darum, den „ewig jung, ewig schön“-Trend zu bedienen. Ihre Methode, die sie bereits auf Instagram und YouTube unter @bareskinfaceyoga bekannt gemacht hat, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Die leicht anwendbare Selbstbehandlung des eigenen Gesichts wirkt sich nicht nur positiv auf die Haut, die Durchblutung und das Bindegewebe aus, sondern fördert auch Entspannung, Stressabbau, Selbstbewusstsein und eine gelassene Lebenshaltung. Der reich bebilderte Ratgeber enthält einfache Übungen und QR-Codes zu begleitenden Videos.





