‘Leben & Tod’ – Messe lädt Interessierte ein

Der Tod, er lässt niemanden aus. Doch was wie eine unumgängliche Gewissheit am liebsten aus dem Alltag verdrängt wird, rückt mit der Messe Leben und Tod bewusst in den Mittelpunkt und verliert dabei einen Teil seines Schreckens.

Was die Bremer Veranstaltung seit Jahren auszeichnet, ist ihr ungewöhnlicher Zugang: Statt Schwere erwartet die Besucher:innen eine Atmosphäre, die Raum für Austausch lässt, für Fragen, für neue Perspektiven. Und nicht zuletzt: für das Leben selbst.
Rund 170 Ausstellende zeigen in der Messe Bremen, wie vielfältig sich Abschied und Erinnerung heute gestalten lassen. Zwischen Ratgebern, künstlerischen Ansätzen und konkreten Beratungsangeboten wird deutlich, dass sich auch ein sensibles Thema wie der Tod differenziert und individuell verhandeln lässt. Angebote zu Vorsorge, Hospizarbeit oder Trauerbegleitung stehen dabei ebenso im Fokus wie kreative Formen des Erinnerns, etwa in der Trauerwerkstatt, die einlädt zum Mitmachen.

Die Leben und Tod Messe ist ein besonderer Ort für fachkundigen Austausch Foto: dotsnboxes
Die Leben und Tod Messe ist ein besonderer Ort für fachkundigen Austausch auf Augenhöhe Foto: dotsnboxes

Dass die Messe bewusst mit Erwartungen bricht, unterstreicht auch das Rahmenprogramm. Lesungen, Gespräche und Musik schaffen eine offene, fast beiläufige Annäherung an existenzielle Fragen. Ein Höhepunkt ist die gemeinsame Lesung der Bremer Autorin Lea Reinhard mit dem ehemaligen Werder-Trainer Thomas Schaaf. In ihrem Buch ‘Mit der Trauer weiterleben’ versammeln sie persönliche Erfahrungen und Stimmen prominenter Gesprächspartner:innen. „Das Weiterleben nach einem Verlust wird von der Gesellschaft häufig übersehen“, sagt Reinhard. „Wir möchten mit unserem Buch anderen Trauernden Mut machen.“ Schaaf ergänzt: „Wichtig ist, darüber zu sprechen und sich gegenseitig zuzuhören.“

Eine ganz andere, aber nicht weniger eindringliche Form der Auseinandersetzung bietet am Freitagabend die Kunstfigur ‘Der Tod’. Mit seiner ‘Death Comedy’ verschiebt er gekonnt die Perspektive: Was zunächst wie ein Tabubruch wirkt, entpuppt sich als präzise inszenierter Umgang mit einem verdrängten Thema. Humor wird hier nicht zur Verharmlosung, sondern zum Erkenntnismittel – ein Zugang, der im Kontext der Messe seine besondere Wirkung entfaltet.

Der Tod Foto: Exitussi
Der Tod kredenzt als Kunstfigur ‚Death-Comedy‘ Foto: Exitussi

„Viele Teilnehmer:innen sagen nach ihrem ersten Besuch: ‘Ich hätte nie gedacht, dass man an einem Ort so offen über Sterben und Trauer sprechen kann – und dabei sogar auch mal lachen darf’ “, so Veranstalterin Meike Wengler. Genau darin liegt der Kern der ‘Leben und Tod’: Sie schafft einen Rahmen, in dem Unsicherheit abgebaut und Austausch möglich wird.

Beratung auf Augenhöhe auf der Leben und Tod Messe Foto: dotsnboxes
Beratung auf Augenhöhe auf der Leben und Tod Messe Foto: dotsnboxes

Wie dieser Anspruch in der Praxis aussieht, zeigt sich auch bei den Ausstellenden. Das Bremer Traditionsunternehmen ‘Ahrens Bestattungen’ etwa steht exemplarisch für einen persönlichen Zugang zum Thema Abschied. Hervorgegangen aus einem Schreinereibetrieb im Jahr 1903, begleitet das familiengeführte Unternehmen heute in fünfter Generation Trauernde: mit eigenen Abschiedsräumen, einer Feierhalle und einem Trauercafé. Der Fokus liegt dabei auf individueller Beratung und dem Anspruch, Angehörigen in einer Ausnahmesituation Orientierung zu geben. Ein Ansatz, der gut zur Haltung der Messe passt: den Tod nicht zu abstrahieren, sondern ihn in seiner menschlichen Dimension ernst zu nehmen.
So wird die Fachmesse auch in diesem Jahr wieder zu einem Ort, an dem nicht nur über das Ende gesprochen wird. Sondern darüber, wie wir erinnern, begleiten und weiterleben. Nicht umsonst ist der Leitspruch der Veranstaltung: ‘Die Messe, die Mut macht.’

MD/FR

Am 10. April von 9 bis 18 Uhr, 11. April von 9 bis 16.30 Uhr, Messe Bremen, Halle 5. Weitere Infos: leben-und-tod.de

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