Götz Widmann // 17. Januar, 20 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof

Er gehört zu den wenigen Liedermachern, die das Genre konsequent gegen den Strich bürsten. Seit den Neunzigern, zunächst mit Joint Venture, später solo, entwickelt Götz Widmann mit seinen rauen, humorvollen und unangepassten Songs eine erstaunliche Nähe zum Publikum. Über 2000 Konzerte und mehr als 20 Alben haben ihn zu einer festen Größe jenseits aller Wohlfühlkonventionen gemacht. Auf der aktuellen Tour ‘Party Time’ entscheidet nicht die Setlist, sondern der spontane Moment, offen für Zurufe und mit viel Raum für Überraschungen. Der BREMER hat mit Götz gesprochen.

BREMER: Deine aktuelle Tour steht unter dem Motto „Plan ist, dass es keinen Plan gibt“. Wie viele Songs hast du inzwischen im Kopf, die du auf der Bühne jederzeit abrufen kannst? Und gibt es Stücke, die du besonders gerne spielst?
Götz: Gute Frage, ganz genau weiß ich das gar nicht. Ich habe jetzt mein zwanzigstes Album gemacht, das sind so etwa 250 Songs. Ich denke davon kann ich knapp die Hälfte auch noch spontan spielen. Bei den anderen müsste ich vorher wahrscheinlich bisschen üben. Ich spiele die auch eigentlich alle noch gerne, dadurch, dass ich jeden Abend ein anderes Programm spiele, bleibt das irgendwie immer frisch.

Welche Wirkung möchtest du mit deiner Musik erzielen?
Ich mache mir da eigentlich gar keine so großen Gedanken. Im Moment soll es so ein bisschen ein spontaner Kurzurlaub für die Leute sein vom Winter und der komischen Welt in der wir grade alle leben. Einfach mal ein paar Stunden gute Laune unter netten Leuten haben.

Gesellschaftskritik, politische Spitzen und sehr persönliche Beobachtungen gehören bei dir seit jeher zusammen. Welche Rolle spielen diese Elemente heute noch für dich – und hat sich dein Blick auf die Welt im Lauf der Jahre verändert?
Bei wem hat er das nicht? So um die Jahrtausendwende hätte ich gedacht, das Internet hilft uns dabei die Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen. Ich hätte gedacht 2025 leben wir in einem vereinten Europa, Demokratie und gesellschaftliche Solidarität haben einen Siegeszug um die Welt angetreten, Religionen spielen keine große Rolle mehr und der Faschismus ist endgültig zu Grabe getragen. Das war sehr naiv. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich mich nach vergangenen Zuständen sehne, obwohl man ja eigentlich immer nach vorne schauen sollte.

Götz Widmann
In der Natur fühlt Götz sich wohl Foto: Pauline Strassberger

Du hebst ja lieber den Mittelfinger als den Zeigefinger. Ist Humor für dich eher Schutzschild, Rammbock oder einfach die ehrlichste Art, Dinge auszusprechen, die man sonst schwer loswird?
Ich glaube letzteres. Es hilft jedenfalls auch über die schlimmsten Krisen hinweg. Sobald ich über etwas lachen kann, und sei es noch so sarkastisch, ist es nur noch halb so schlimm. Und am allerbesten ist es, wenn man über sich selber lachen kann.

Du warst schon oft im ‘Schlachthof’ zu Gast. Wie fühlt sich das Publikum hier an und hast du eine besondere Verbindung zur Bremen?
Ich liebe den Schlachthof, ich glaube ehrlich gesagt, er ist sogar meine Lieblingsbühne. Durch diese wirklich einzigartige Arenaform sieht und hört wirklich jeder im Publikum perfekt, dadurch entsteht auf ganz natürliche Weise eine Aufmerksamkeit und gute Laune, die woanders alles andere als selbstverständlich ist. Und die Crew ist einfach auch toll, lauter Schätzchen…

Welche Pläne hast Du für 2026?
Ich habe jetzt mehrere Jahre an etwas ganz Neuem gebastelt, von dem ich hoffe, das es auf lange Sicht eine ganz neue Art und Weise werden kann, wie ich mit meinem Publikum in Kontakt trete. Es ist eine Art Superwebsite, wo ich wirklich alles posten werde, was jemals von mir rausgekommen ist. Und mein ganzes unveröffentlichtes Archiv dazu, ich habe noch so viele alte Bänder und VHS-Videokassetten, auch noch aus der Zeit mit meiner alten Band Joint Venture. Die digitalisiere ich nach und nach und bring sie da raus. Ich nehme seit etwa fünf Jahren auch jedes Konzert in Studioqualität auf, das soll da auch rein, und dann immer weiterwachsen, also quasi ein Livealbum 4.0, jeder kann das Konzert hören auf dem er war und alle anderen auch. Also quasi mein ganzes Leben auf einer Seite zum Streamen und downloaden, es ist so ein bisschen wie Patreon oder Onlyfans, aber viel geiler, vollkommen unzensiert und ich habe das mit der Hilfe von ein paar tollen Freunden ohne amerikanische Konzerne hingekriegt. Das ganze heißt www.goetzwidmann.live und so ab 1. Januar kann man mal gucken.

Christoph Becker

Am 17. Januar um 20 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Kesselhalle

Der BREMER verlost 3 x 2 Tickets. Schreibt bis zum 15. Januar eine Mail mit dem Stichwort ‘Party Time’ an gewinne@bremer.de

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