Liebe geht raus

Unter dem Titel ‘Liebe geht raus’ verzahnen sich bei den tolldreisten Theatertagen der bsc Inszenierungen mit performativen Extras, Diskussionen, Workshops und Stadtspaziergängen. Shakespeare bildet dabei den dramaturgischen Anker, doch das Festival versteht sich ausdrücklich als Einladung zur Teilhabe. 

Den Auftakt macht am 6. März ‘Romeo und Julia’, konsequent mit anschließendem Maskenball: Das Publikum erlebt die berühmte Begegnung der Capulets nicht nur, sondern darf kostümiert weitertanzen. Theater wird so vom beobachtenden zum beteiligten Ereignis.

Am nachfolgenden Samstag stehen Workshops im Mittelpunkt: Von 10 bis 12 Uhr führt Michael Meyer in den Stockkampf ein. Anschließend finden von 13 bis 15 Uhr parallel zwei Workshops statt: ‘Stimme & Sprechen’ mit Simon Elias sowie ‘Rhythmus & Percussion’ mit Markus Seuß. Das Programm wiederholt sich am darauffolgenden Samstag.

Am Abend schlägt ‘HERZBLATT & wirSing’ die Brücke zwischen Impro-Comedy und Chorkonzert: Eine Shakespeare-Figur wird im Stil einer Dating-Show ausgewählt, anschließend wird gemeinsam gesungen – von romantischen Klassikern bis hin zu augenzwinkerndem Kitsch.

Auch der Stadtraum wird erkundet: Beim Spaziergang ‘Bremenliebe’ führen Christoph

Romeo und Julia kurz davor sich zu Küssen
Foto: Mariann Menke

Theiling und Ensemblemitglieder durch Neustadt, Altbremer Vorgärten und ehemalige Kulturorte, um neue Lieblingsplätze auf Bremens Karte zu entdecken.

Mit ‘Allein an der Bar’ wird die Balance zwischen Nähe und Distanz zum Thema eines Liederabends, der spontan aus Songs und Situationen entsteht. Die Premiere mit Magdalena Julia Simmel und Kai Henkhus an der Gitarre ist am 8. März.

Ein klassisches Format erhält am 11. März neue Intimität: Bei ‘Wir lesen Liebesbriefe’ stehen literarische Kanontexte neben anonym eingesandten Texten aus der Gegenwart, ein Dialog über Schreiben und Selbstoffenbarung entsteht.

Am 12. März kombiniert ‘Viel Lärm um Nichts – Drama trifft Wissenschaft’ die Inszenierung von Shakespeares Stück mit neurologischen und biochemischen Perspektiven auf Verliebtheit und Eifersucht – ohne Belehrung, eher als Versuchsanordnung.

Zeitgenössisch wird es mit ‘Constellations’ von Nick Payne, in dem die Liebesgeschichte einer Quantenphysikerin und eines Imkers in variierenden Möglichkeitsräumen entfaltet wird. Unter der Regie von Julia Redder spielen Markus Seuß und Petra-Janina Schultz.

Später öffnet die Falstaff-Disco den Raum für Tanz, während am 14. März ‘Der seltsame Fall der Prudencia Hart’ in schottische Pub-Atmosphäre mit Karaoke entführt.

Was das Festival zusammenhält, ist weniger ein Thema als eine Haltung: Liebe als soziale Praxis – Gespräch, gemeinsamer Gesang, wissenschaftliche Reflexion und Theater. Das Theater wird zum Labor und zur Feier, in dem öffentliche Räume neu erfahrbar werden. Ob Maskenball oder Mikroskop – entscheidend ist die Begegnung, aus der ein vielfältiges Kultur-Festival entsteht.

Mika Dunkel

Vom 6. – 15. März, Theater am Leibnizplatz und weitere Veranstaltungsorte; weitere Infos und Tickets: shakespeare-company.com

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