Leipziger Pfeffermühle – Harakiri to go

Die Leipziger Kabarett-Gruppe hat mit ‘Harakiri to go’ ein Kabarettprogramm auf die Bühne gebracht, das die Absurditäten des Alltags in Deutschland mit (pfeffer)scharfem Humor seziert. Auf der Bühne trifft politische Groteske auf Alltagssatire.

Wer dachte, Deutschland sei nur noch grau und bürokratisch, hat das Programm der Leipziger Kult-Kabarett-Crew noch nicht erlebt. Sie packt die alltäglichen Absurditäten des Landes in eine Kabarett-Show, die gleichzeitig beißt, kichert und nachdenklich macht. Man sitzt metaphorisch in Haft, in Lachhaft, während das Ensemble die Eigenheiten unserer Gesellschaft gnadenlos auf die Bühne schleudert.

Die Pfeffermühle reitet auf ihrem kunterbunten Schlachtross durch den Wahnsinn: Der Staat stürmt voran, aber der Bürger bleibt verdutzt zurück. Jeder hat eine Meinung, aber kaum jemand eine Ahnung. Manchmal scheinen selbst die Brücken kreativere Ideen zu haben als wir, und während früher noch die Bahn geschätzt wurde, zählt heute nur noch die Fahrzeit. E-Mail, E-Auto, E-Goisten: Alles läuft weiter, als gäbe es kein Morgen, während das Volk sich mit Pustekuchen tröstet und die Regierung ratlos den Kopf schüttelt.

Demokratie auf Abwegen, Bauern auf Socken, Boomer im Schatten, die Jugend ahnungslos: Es ist ein bisschen wie Karneval, nur dass keiner die Kostüme bezahlt hat.
Das Ensemble besteht aus Sabine Kühne-Londa, Annemarie Schmidt, Sven Reese, beziehungsweise Benjamin Turecek und Pianist Hartmut Schwarze, die Regie führt Thorsten Wolf.

Die Produktion lebt von seiner einzigartigen Mischung aus Humor, Gesellschaftskritik und Spielfreude. Es ist ein Kabarett-Abend, der zum Lachen einlädt, zugleich aber den Spiegel vorhält und die Zuschauer:innen dazu bringt, bekannte gesellschaftliche Strukturen und Verhaltensmuster neu zu betrachten. Frech, unverblümt und witzig – eben Kabarett, das den Nerv der Gegenwart trifft. Obwohl das Gründungsjahr der Ur-Truppe schon 1954 war, ist die Idee und ‘Seele’ hinter den Produktionen keinesfalls veraltet, sondern gerade heute brandaktuell.

‘Harakiri to go’ ist kein Zuckerschlecken, sondern eine Comedy, die die Komik in die Krise bringt. Scherztropfen gegen Kopfweh, Kichern für den Frieden: die Pfeffermühle zeigt, dass Husten nur das Lachen ist, das uns im Halse steckenbleibt. Ein Abend, bei dem man über sich selbst, die anderen und die ganze Republik lacht, vielleicht sogar ein bisschen erleichtert den Kopf schüttelt.

Mika Dunkel

Am 22. Januar um 20 Uhr, Hamme Forum Ritterhude. Weitere Infos und Tickets (28,95 Euro): hammeforum.de

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