Seebühne Highlight – Jedermann
Jedermann – Das Theaterereignis in Bremen
Unter den vielen Höhepunkten des diesjährigen Seebühnen-Sommers gehört diese Aufführung am 4. August zu den besonderen Theatermomenten. Hugo von Hofmannsthals Spiel vom reichen Mann, der am Ende seines Lebens auf sich selbst zurückgeworfen wird, bringt große Fragen nach Schuld, Vergänglichkeit und dem, was wirklich zählt, in die Open-Air-Kulisse am Wasser. Regisseur Nicolai Tegeler öffnet den Klassiker mit Musik, Licht und moderner Bildsprache für ein heutiges Publikum – und versammelt dafür zahlreiche bekannte Gesichter aus Film, Fernsehen und Theater. Im Interview spricht er über die Aktualität des Stoffes und die Herausforderungen der Seebühne.

BREMER: ‚Jedermann‘ erzählt vom Sterben eines reichen Mannes, aber Sie sagen sinngemäß: Es ist kein Stück über den Tod, sondern über das Leben. Was macht diesen Stoff für Sie heute so relevant?
Nicolai Tegeler: Weil wir heute vielleicht mehr denn je in einer Zeit leben, in der viele Menschen funktionieren, leisten, konsumieren – aber sich gleichzeitig fragen: Was bleibt eigentlich wirklich? ‘Jedermann’ stellt genau diese Frage. Nicht moralisierend, sondern menschlich. Für mich ist das Stück deshalb kein Stück über den Tod, sondern über die Chance, dem Leben nochmal ehrlich zu begegnen.
Wie geht man als Regisseur mit so viel Theatergeschichte um, ohne daraus ein Museumsstück zu machen?
Mit Respekt – aber ohne Ehrfurchtstarre. Hofmannsthals Sprache und die Wucht des Stoffes tragen bis heute. Gleichzeitig muss Theater lebendig bleiben. Ich glaube, man darf Klassiker nicht konservieren wie ein Gemälde hinter Glas. Man muss sie neu fühlen, neu denken und neu erzählen, ohne ihren Kern zu verlieren.
Wo setzen Sie bewusst auf Tradition – und wo wollten Sie ‚Jedermann‘ neu öffnen?
Die Sprache, die archetypischen Figuren und die großen Themen bleiben unangetastet. Gleichzeitig öffnen wir das Stück emotional und atmosphärisch stärker für ein heutiges Publikum – über Musik, Licht, moderne Bildwelten und eine größere Direktheit im Spiel. Unser ‚Jedermann‘ soll nicht nur bewundert, sondern erlebt werden.
Was verändert sich auf der Bühne, wenn so unterschiedliche Spielbiografien zusammenkommen?
Genau daraus entsteht Spannung und Lebendigkeit. Jede und jeder bringt eine eigene Energie, Erfahrung und Farbe mit. Das macht Ensemblearbeit für mich so spannend. Wenn Menschen aus Film, Fernsehen, Theater, Comedy oder Musik gemeinsam erzählen, entsteht etwas sehr Menschliches und Unmittelbares.

Was hat dieses Stück bei Ihnen ausgelöst, dass es Sie bis heute begleitet?
Ich habe schon sehr früh eine emotionale Verbindung zu ‚Jedermann‘ entwickelt – tatsächlich bereits als Kinder-Jedermann im Berliner Dom. Mich hat damals schon berührt, dass dieses Stück trotz seiner Größe und Symbolik eigentlich von sehr menschlichen Ängsten und Sehnsüchten erzählt. Und je älter man wird, desto mehr entdeckt man darin auch über sich selbst.
Welche Chancen, aber auch Herausforderungen bringt die Seebühne Bremen mit sich?
Open-Air-Theater ist immer ein Abenteuer – genau das liebe ich daran. Die Seebühne Bremen hat eine besondere Atmosphäre, weil Wasser, Himmel, Licht und Stadt plötzlich Teil der Inszenierung werden. Gleichzeitig verlangt so ein Ort natürlich enorme Präzision in Technik, Akustik und Timing. Aber genau diese Unmittelbarkeit macht Theater unter freiem Himmel so besonders und einzigartig!
Gibt es eine Frage aus dem Stück, die Ihnen selbst bei dieser Inszenierung besonders nahegegangen ist?
Vielleicht die einfachste und gleichzeitig schwerste: „Was zählt am Ende wirklich?“ Das klingt erstmal groß – aber letztlich betrifft es uns alle. Beziehungen, Zeit, Nähe, Wahrhaftigkeit. ‘Jedermann’ erinnert einen daran, dass Erfolg, Besitz oder Status irgendwann nebensächlich werden können. Und genau deshalb berührt mich dieses Stück immer wieder aufs Neue.
Christoph Becker
Am 4. August um 20.30 Uhr, Seebühne
Weitere Infos und Tickets: jedermann-theater.de/jedermann-bremen-2026
Beitragsfoto: Matthias Klopp
Mehr zum Jedermann!
Mehr vom BREMER!






