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Carsharing wächst weiter – In Bremen und dem Umland

Carsharing ist in Bremen längst mehr als eine Ergänzung für Menschen, die ab und zu ein Auto brauchen. Es ist zu einem festen Baustein der städtischen Mobilität geworden – und zu einer Alternative zum eigenen Pkw, die in immer mehr Quartieren sichtbar wird. Der Anbieter cambio gehört dabei seit vielen Jahren zu den prägenden Akteuren in Bremen und der Region. Die Entwicklung zeigt deutlich nach oben: 2026 zählt cambio in der Stadtgemeinde Bremen 32.254 Nutzer, 717 Fahrzeuge und 161 Stationen. Anfang der 1990er-Jahre begann das Angebot noch mit wenigen Autos und einer überschaubaren Zahl an Nutzer. Heute ist daraus ein dichtes Netz geworden, das weiter wächst.

Auch über Bremen hinaus nimmt das Angebot deutlich zu. In der Metropolregion Nordwest ist cambio inzwischen unter anderem in Achim, Aurich, Bad Zwischenahn, Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst, Emden, Leer, Lilienthal, Oldenburg, Stuhr, Verden, Weyhe, Wilhelmshaven und Worpswede vertreten. 2026 weist die Statistik für die Region 47.350 Nutzer, 932 Autos und 246 Stationen aus. Damit wird sichtbar, dass Carsharing nicht mehr nur ein Modell für dicht bebaute Innenstadtquartiere ist, sondern zunehmend auch im Umland und in kleineren Städten funktioniert.
In Bremen selbst hat Carsharing inzwischen eine messbare Wirkung. Nach einer aktuellen Evaluation ersetzt ein Carsharing-Auto in der Stadt 18,8 private Pkw. Rechnerisch entlastet das bestehende Angebot den öffentlichen Raum um mehr als 11.000 private Autos. Mehr als zwei Drittel der Carsharing-Haushalte sind pkw-frei, 93 Prozent der befragten Nutzer bewerten das Angebot positiv.
Der Ausbau geht deshalb nicht nur in den klassischen Innenstadtquartieren weiter. In Bremen-Nord wurde im April der erste mobil.punkt im Stadtbezirk eröffnet; die Station in Lüssum-Bockhorn ist zugleich die zehnte cambio-Station in Bremen-Nord. Insgesamt stehen dort inzwischen 30 Fahrzeuge bereit. Auch im Umland wächst das Netz: In Weyhe startete cambio im April mit zwei Stationen am Rathaus und am Bahnhof Kirchweyhe sowie vier Fahrzeugen, darunter ein Opel Corsa Electric mit eigener Ladesäule am Rathaus. Zum 1. Juni folgte Aurich mit zwei Stationen am Rathaus und am ZOB sowie vier Fahrzeugen, darunter zwei Elektroautos mit eigenen Ladesäulen. Häufig sind dabei auch Kommunen und Verwaltungen eingebunden, weil Carsharing nicht nur privat, sondern auch für Dienstfahrten eine Alternative zum eigenen Fuhrpark sein kann.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Elektrifizierung der Flotte. An der Station Hansator in der Überseestadt hat cambio vier neue Opel Corsa Electric bereitgestellt. Eines davon ist das 100. cambio-E-Auto in Bremen. Damit ist Elektromobilität im Carsharing nicht mehr nur ein Testfeld, sondern Teil des regulären Angebots. Weitere Stationen wurden oder werden unter anderem in Schwachhausen, Hastedt, der Neustadt, Findorff und Walle elektrifiziert. Nutzer zahlen dabei nicht nach Antriebsart, sondern nach Fahrzeugklasse. Ein Elektroauto kostet in der Nutzung also nicht mehr als ein vergleichbarer Verbrenner.
Viele Nutzer informieren sich inzwischen gezielter über E-Autos oder probieren sie bewusst aus. Praktische Fragen bleiben: Wie weit komme ich? Muss ich nach der Fahrt laden? Wie funktioniert die Rückgabe? Im stationsbasierten Carsharing ist vieles davon fest geregelt. Die Fahrzeuge werden nach der Nutzung wieder an der Station angeschlossen und stehen dort für die nächsten Nutzer bereit. Für viele ist das ein niedrigschwelliger Einstieg in die Elektromobilität, ohne selbst ein E-Auto kaufen zu müssen.
Carsharing wird oft mit kurzen Alltagswegen verbunden: Einkauf, Arzttermin, Besuch bei Freund, Transport oder Dienstfahrt. Das Angebot reicht aber weiter. Fahrzeuge können auch für mehrere Tage oder Wochen gebucht werden – etwa für Ausflüge oder Urlaubsfahrten. Je nach Bedarf stehen Kleinwagen, Kombis, Transporter oder E-Autos zur Verfügung.
Über die aktuelle Entwicklung bei cambio, die wachsende E-Flotte und die Rolle von Carsharing in Bremen sprach der BREMER mit Lasse Schulz, Geschäftsführer von cambio Bremen.

Lasse Schulz, Geschäftsführer cambio Bremen, Foto: Kerstin Rolfes/cambio
Lasse Schulz, Geschäftsführer cambio Bremen, Foto: Kerstin Rolfes/cambio

BREMER: Wie entwickelt sich cambio und das Carsharing insgesamt in der Region?
Lasse Schulz: Wir wachsen stetig und schnell. In Bremen haben wir in den vergangenen Jahren im Durchschnitt jeden Monat mindestens eine Station eröffnet, zuletzt etwa in Bremen-Nord, Schwachhausen oder in der Neustadt. Aber auch in der Region merken wir, dass Standorte wie Weyhe vom ersten Tag an gut laufen. Dort gab es schon vor der Eröffnung Anfragen von Menschen, die in Weyhe wohnen oder zwischen Bremen und Weyhe pendeln und die Fahrzeuge sofort genutzt haben. Auch Verwaltungen und Unternehmen nehmen das Angebot gut an. Das sehen wir ähnlich in Delmenhorst, Stuhr oder Emden. Standorte, die wir früher vielleicht für schwieriger gehalten hätten, funktionieren inzwischen sehr schnell. Die Nachfrage nach Carsharing findet nicht mehr nur in stark verdichteten urbanen Räumen statt, sondern auch in weniger verdichteten Gemeinden im Umland.

Woran liegt das?
Zum einen sicherlich an der Aufmerksamkeit, die Carsharing mittlerweile bekommt. Viele Menschen haben wahrgenommen, dass es so etwas gibt, und sie kennen im Bekanntenkreis jemanden, bei dem es funktioniert. Dazu kommt ein stärkeres Kostenbewusstsein. Die hohen Kosten, die ein eigenes Auto verursacht, werden zunehmend hinterfragt. In Umlandgemeinden geht es dabei oft um den Zweitwagen, der ersetzt werden kann. Im städtischen Raum ist es eher der Erstwagen. Für alle, die weniger als 12.500 Kilometer im Jahr mit dem Auto fahren, ist Carsharing in der Regel die günstigere Lösung. Diese Rechnung ist inzwischen vielen Menschen bekannt.

An der Station Hansator in der Überseestadt sind neue E-Autos dazugekommen. Eines davon ist das 100. cambio-E-Auto in Bremen. Was bedeutet diese Marke?
Die Fahrzeuge am Hansator stehen seit Anfang Mai bereit. Zusätzlich haben wir an der Graf-Moltke-Straße in Schwachhausen vier E-Autos neu bereitgestellt, die Station Alter Postweg in Hastedt elektrifiziert und auch die Crüsemannallee in Schwachhausen neu ausgestattet. Weitere Stationen folgen in der Neustadt, in Findorff und in Walle. Wir sind also noch nicht fertig, sondern mittendrin. Die Zahl 100 ist für uns tatsächlich etwas Besonderes. Wir sind schon 2017 mit den ersten E-Autos gestartet, aber damals blieb es bei wenigen Fahrzeugen. Es hat noch nicht richtig funktioniert und wurde auch noch nicht so angenommen. Jetzt haben wir deutlich mehr Schwung. Die Nachfrage nach Elektroautos steigt stark, und die Handhabung funktioniert gut. 100 E-Autos sind keine kleine Nische mehr, in der man etwas ausprobiert. In dieser Größenordnung wird daraus ein funktionierendes Angebot. Wir merken, dass immer mehr Menschen gezielt elektrisch fahren.

Merken Sie, dass die aktuelle Energie- und Klimadebatte die Nachfrage nach E-Autos im Carsharing zusätzlich verstärkt?
Wir nehmen in den vergangenen Monaten eine verstärkte Nachfrage wahr. Natürlich ist es Spekulation, aber ich glaube schon, dass die Energiekrise ein Treiber ist. Viele Menschen versuchen bewusster zu konsumieren. Dazu gehört auch, möglichst wenig fossile Brennstoffe zu verbrennen. Carsharing bietet die Möglichkeit, immer dann, wenn es passt, mit Ökostrom unterwegs zu sein. Für uns senkt das auch die Betriebskosten der Flotte, weil Strom aktuell günstiger ist als Benzin. Ob das für die Nutzer der entscheidende Punkt ist, weiß ich nicht, aber es ist ein positiver Nebeneffekt.

Welche Fragen oder Unsicherheiten begegnen Ihnen bei der E-Mobilität noch?
Viele Nutzer, die schon einmal in einem E-Auto gesessen haben, haben danach kaum noch Fragen. Sie merken: Das funktioniert einfach. Dann gibt es natürlich Menschen mit sehr speziellen technischen Fragen, die aber weit über das hinausgehen, was man wissen muss. Bei Einsteiger sind es eher praktische Fragen: Muss ich das E-Auto nach jeder Fahrt anstöpseln? Bei uns ist das der Fall, damit es für die nächsten Nutzer wieder geladen ist. Und natürlich ist die Reichweite ein Thema. Aber sobald man es einmal ausprobiert hat, merkt man in der Regel, dass der Ablauf und das Fahren sehr einfach sind.

cambio wird oft für kurze Alltagswege genutzt. Wie funktioniert das Angebot für Ausflüge oder Urlaubsfahrten?
Das funktioniert sehr gut und ist genau dafür gedacht: all die Fahrten zu ersetzen, die andere Menschen mit einem privaten Auto machen. Wir haben Wochenpreise, die automatisch abgerechnet werden, wenn man Autos länger nutzt. Es ist ausdrücklich möglich, damit auch in den Urlaub zu fahren. Das funktioniert sogar mit Elektroautos. Im vergangenen Jahr hatten wir Fahrten mit über 3.000 Kilometern mit E-Autos. Für die Ferienzeit stellen wir zusätzliche Autos bereit. Gleichzeitig ist die Nachfrage vor Ort in Bremen während der Ferien oft etwas geringer. Da man Autos bis zu ein Jahr im Voraus buchen kann, haben Nutzer außerdem Planungssicherheit.

Was würden Sie sich von der Politik beim Carsharing, bei der E-Mobilität und bei der Verkehrsinfrastruktur wünschen?
Als mittelständisches Unternehmen wünscht man sich vor allem Planungssicherheit. Das betrifft zum Beispiel Grenzwerte und Vorgaben für Fahrzeuge. Wenn politisch formuliert wird, dass Hersteller und Konsument auf Elektroautos umsteigen sollen, dann ist es für uns wichtig, dass solche Vorgaben nicht ständig wieder infrage gestellt werden. Das erleichtert den Umbau auf Elektromobilität sehr. Für die Entwicklung des Carsharings in Bremen muss man sagen, dass die Stadt in vielerlei Hinsicht Vorreiter ist, etwa bei der Bereitstellung und Vermietung von Stellplätzen im öffentlichen Raum. Wenn wir Carsharing in den stark verdichteten Gebieten ausbauen wollen, brauchen wir solche Stellplätze, denn private Flächen sind dort oft kaum zu finden. Mein Wunsch ist, dass die Stadt diesen Weg weitergeht und dort Carsharing ermöglicht, wo die Nachfrage hoch ist. Gerade in Quartieren wie Findorff, Neustadt, östlicher Vorstadt oder Schwachhausen ergibt Carsharing besonders viel Sinn: Die ÖPNV-Anbindung ist gut, der Parkdruck groß, und viele Menschen brauchen im Alltag kein eigenes Auto.

Beitragsbild: Eröffnung der Station in Weyhe. v.l.n.r.: Fleming Erdwiens, Standortmanager cambio Bremen, Frank Seidel, Bürgermeister Gemeinde Weyhe und Kirstin Taberski, Klimaschutzmanagerin. Foto: Kerstin Rolfes/cambio

Christoph Becker

Weitere Informationen unter www.cambio-carsharing.de/

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