Filmfest Bremen 2026 – Zwischen Haltung, Humor und großen Namen
Wenn sich im April die Bremer Kinosäle füllen, Premieren gefeiert und Diskussionen geführt werden, zeigt sich einmal mehr, was das Filmfest Bremen geworden ist: ein Ort für Entdeckungen, für filmische Handschriften – und für ein Publikum, das Lust hat, sich auf unterschiedliche Perspektiven einzulassen. Zwischen innovativen Produktionen, internationalen Beiträgen und feinsinniger Komik hat sich das Festival eine eigene Handschrift erarbeitet.
2026 rückt das Filmfest gleich zu Beginn eine herausragende Persönlichkeit ins Zentrum: Vanessa Redgrave wird im Rahmen der Eröffnungsgala im Theater am Goetheplatz mit dem Bremer Filmpreis ausgezeichnet. Die britische Schauspielerin, seit Jahrzehnten eine prägende Figur des europäischen Kinos, steht dabei nicht nur für ein herausragendes filmisches Werk, sondern auch für eine klare politische Haltung.
Redgrave engagiert sich seit Jahren für Unterdrückte und Benachteiligte, äußert sich öffentlich zu gesellschaftlichen Konflikten und scheut dabei keine Kontroversen. Als UNESCO-Botschafterin setzt sie sich für Kinder in Kriegsgebieten ein, ihre Regiearbeit ‘Sea Sorrow’ verbindet persönliche Erinnerungen mit der europäischen Flüchtlingskrise – ein Beispiel dafür, wie eng bei ihr Kunst und Engagement miteinander verbunden sind.

„Ein Werk, das Generationen von Filmschaffenden und Zuschauern bewegt und geprägt hat“, sagt Klaus Windheuser von der Sparkasse Bremen, die das Festival seit der ersten Stunde unterstützt und den Preis seit 1999 vergibt. Mit dem neu geschaffenen MOMENTUM Award ehrt das Filmfest Bremen Filmschaffende mit einer außergewöhnlichen Karriere, die bereit sind, ihre Erfahrungen weiterzugeben. 2026 geht die Auszeichnung an den britischen Charakterdarsteller und Harry Potter-Star Jason Isaacs, der nicht nur geehrt wird, sondern in einer Masterclass Einblicke in seine Arbeit gibt – ein direkter Austausch, wie ihn das Festival bewusst sucht.

Auch inhaltlich bleibt sich das Filmfest treu und baut seine Struktur weiter aus. Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme laufen in verschiedenen Sektionen wie ‘Innovation’, ‘Humor/Satire’, ‘Bremen & Umzu’, ‘Gateways to the World’ oder ‘Global Lokal’ und werden dort von unabhängigen Fachjurys ausgezeichnet. Eine Ausnahme bilden die Deutschlandpremieren, bei denen das Publikum über die Gewinner entscheidet. Ergänzt wird das Programm durch mehrere Sonderpreise sowie Wettbewerbe, die gezielt neue Perspektiven und Produktionsformen sichtbar machen.

Darüber hinaus setzt das Festival auch inhaltliche Schwerpunkte: Mit dem BAB-Nachhaltigkeitspreis werden Filme ausgezeichnet, die sich mit ökologischen und gesellschaftlichen Zukunftsfragen auseinandersetzen. Erstmals wird 2026 zudem der ‘Filmpreis Diversity’ vergeben, ausgelobt von der brema (Bremische Landesmedienanstalt) und der swb, der Filme würdigt, die Vielfalt sichtbar machen und zeigen, wie bereichernd unterschiedliche Lebensrealitäten für die Gesellschaft sein können – ein Thema, das angesichts aktueller Debatten an Bedeutung gewinnt.
Gleichzeitig bleibt die lokale Verankerung zentral: In der Kategorie ‘Bremen & Umzu’ stehen Produktionen aus der Region im Fokus und machen sichtbar, was direkt vor der eigenen Haustür entsteht. Festivalleiter Matthias Greving und die künstlerische Leitung Ilona Rieke betonen dabei immer wieder den Anspruch, Kino als Raum für Austausch zu begreifen – als Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und miteinander ins Gespräch kommen.

Einige besondere Entdeckungen zeichnen sich bereits ab: Die Dokumentation ‘Einhundertvier’ zieht das Publikum mitten hinein in die dramatische Rettung eines Flüchtlingsbootes – erzählt in Echtzeit und aus mehreren gleichzeitig laufenden Perspektiven. Ein intensives, kaum auszuhaltendes Erlebnis. Ruhiger, aber nicht weniger eindringlich ist ‘Olivia’, ein Film, der sich Zeit nimmt und gerade daraus seine Wirkung entfaltet. Mit ‘Brother Verses Brother’ findet sich zudem ein erzählerisch zugänglicher Beitrag über zwei ungleiche Brüder zwischen Musik, Scheitern und neuen Chancen. Hauptdarsteller Ethan Gold spielt dazu am 17. April noch ein Konzert im Eisen. Auch ‘Becoming’ wirft einen eindringlichen Blick auf das Erwachsenwerden: Im heutigen Kasachstan sucht eine junge Frau zwischen familiärem Chaos und neu gefundener Gemeinschaft nach Halt – und muss entscheiden, wie weit sie dafür gehen will.

Dass dabei auch experimentellere Formate ihren Platz haben, zeigt unter anderem die Einbindung der Bremer Reihe ‘Weird Xperience’, die mit Filmen wie ‘2551.03 – The End’ gezielt das Abseitige und Unkonventionelle sucht.
So entsteht ein Programm, das sich nicht auf einen Stil festlegen lässt, sondern Vielfalt als Prinzip versteht – zwischen großen Namen, neuen Stimmen und filmischen Grenzgängen. Ein Festival, das sich weiterentwickelt hat und dabei offen geblieben ist für das, was Kino sein kann.
CB/FR
Vom 15. bis 19. April, verschiedene Spielstätten in Bremen.
Bremer Filmpreis Gala mit Vanessa Redgrave am 15. April um 19.30 Uhr, Theater am Goetheplatz
MOMENTUM Award Preisverleihung und Masterclass mit Jason Isaacs am 18. April um 19.30 Uhr, Obere Rathaushalle
Programmheft und weitere Infos zu allen Events und Filmen unter: filmfestbremen.com






