jazzahead! 2026 

Vom 22. bis 26. April wird Bremen erneut zum internationalen Treffpunkt der Jazzszene – im Jahr des 20. Geburtstags setzt die jazzahead! dabei gleich mehrere inhaltliche Schwerpunkte. Mit Schweden rückt ein Land in den Fokus, das seit Jahren für eine besonders vielfältige und experimentierfreudige Jazzszene steht. Parallel dazu widmet sich das Festival unter dem Titel ‘Jazz from Africa’ aktuellen Entwicklungen und Perspektiven eines Kontinents, dessen musikalische Einflüsse den Jazz seit jeher prägen – und heute neu gedacht werden.
Auch die CLUBNIGHT entwickelt sich weiter: Erstmals wird sie zweiteilig angelegt und bezieht neben zahlreichen Spielstätten in Bremen auch Bremerhaven mit ein. Damit wächst das Festival erneut über die Stadt hinaus und macht die Region noch stärker zur Bühne für internationale Acts und lokale Szenen.
Ein weiterer zentraler Programmpunkt ist die Verleihung des Deutschen Jazzpreises, der im Jubiläumsjahr nach Bremen zurückkehrt und künftig im Zweijahresrhythmus hier vergeben werden soll. Damit wird die jazzahead! abermals nicht nur zum Treffpunkt der internationalen Szene, sondern auch zum Ort, an dem herausragende Leistungen im deutschen Jazz sichtbar gewürdigt werden.

Fredrik Ljungkvist tritt beim Grand Opening auf Foto: Miki Anagrius
Fredrik Ljungkvist tritt beim Grand Opening auf Foto: Miki Anagrius

Das GRAND OPENING setzt unter dem Motto ‘The Bigger The Knower’ den ersten großen Akzent der jazzahead! und steht 2026 ganz im Zeichen des Partnerlandes Schweden. Am 22. April eröffnet die ‘Norrbotten Big Band’ in Halle 7 der Messe Bremen das Festival – gemeinsam mit einer Reihe internationaler Gäste und einem eigens für diesen Abend entwickelten Programm.
Der vielfach ausgezeichnete Klangkörper aus Nordschweden, bekannt für seine stilistische Offenheit und klangliche Präzision, trifft dabei auf das US-amerikanische Electro-New-Jazz-Funk-Duo ‘KNOWER’. Die Zusammenarbeit ist als Premiere angelegt und bringt neue Musik auf die Bühne, die orchestrale Strukturen mit elektronischen Einflüssen und popaffinen Grooves verbindet.

Luois Cole, Bandmitglied von "KNOWER", tritt beim Grand Opening auf Foto: Louis Cole
Louis Cole, Bandmitglied von „KNOWER“, tritt beim Grand Opening auf Foto: Louis Cole

Darüber hinaus sind zentrale Stimmen der schwedischen Jazzszene mit Solo-Features vertreten: die Saxophonist:innen Lisen Rylander Löve und Fredrik Ljungkvist, das Quartett der ‘Agnas Bros.’ sowie die Sängerin Josefine Cronholm. Gemeinsam entsteht ein vielschichtiger Auftakt, der die internationale Vernetzung des Festivals hörbar macht und zugleich einen ersten Eindruck von der stilistischen Bandbreite der kommenden Tage vermittelt.

Am 22. April um 20 Uhr, Halle 7 der Messe Bremen

Das Jeremy Ledbetter Trio Foto: Denise Gran
Das Jeremy Ledbetter Trio Foto: Denise Gran

Showcases
Zwischen Nordlicht und globalem Groove

Das Herzstück des Festivalprogramms bilden auch 2026 wieder die Showcase-Konzerte: Vom 23. bis 25. April präsentieren sich insgesamt 38 Acts aus mehr als 20 Ländern in kompakten Sets im Kulturzentrum Schlachthof und in Halle 7 der Messe Bremen, die einen konzentrierten Überblick über aktuelle Strömungen im Jazz geben. Die Auswahl erfolgt durch internationale Jurys – entsprechend groß ist die stilistische Bandbreite, die von klassischem Modern Jazz über elektronische Hybridformen bis hin zu Einflüssen aus Folk, Hip-Hop oder globalen Musiktraditionen reicht.

Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Partnerland Schweden. Hier stehen unter anderem das ‘Daniel Karlsson Trio’, die ‘Hederosgruppen’ sowie ‘Langendorf United’ für unterschiedliche Facetten der Szene – von melodischer Klarheit über experimentelle Ensemblearbeit bis hin zu „funkified, psychedelic Ethio-Jazz Fusion“, wie sie Saxophonistin Lina Langendorf mit ihrer Band auf die Bühne bringt. Ergänzt wird das schwedische Feld durch das ‘Joel Lyssarides Trio’, das mit seinem melodischen, subtil verzahnten Zusammenspiel zu den gefragten Acts der aktuellen Szene zählt.

Sharon Mansur Foto: ACT Gabriel Baharlia
Sharon Mansur Foto: ACT Gabriel Baharlia

Der Schwerpunkt ‘Jazz from Africa’ präsentiert von Donnerstag bis Samstag täglich je eine Band vom afrikanischen Kontinent und setzt damit gezielt einen internationalen Akzent. Zu den markanten Stimmen zählt der togolesische Schlagzeuger und Komponist Kossi Mawun, der westafrikanische Rhythmustraditionen mit zeitgenössischem Jazz verbindet und eine eigenständige, stark rhythmisch geprägte Klangsprache entwickelt. Er ist im Showcase zu erleben und steht darüber hinaus auch bei der CLUBNIGHT auf der Bühne. Aus Südafrika bringt zudem das ‘Sydney Mavundla Quartet’ einen ebenso kraftvollen wie emotional aufgeladenen Zugang ein – sein Trompetenspiel gilt als besonders intensiv und prägend.
Nicht zuletzt richtet sich der Blick auch auf Sharon Mansur, die auf dem Titel der Ausgabe zu sehen ist. Die israelische Pianistin und Keyboarderin verbindet mit ihrem Trio Jazz, Rock, elektronische Elemente und die mikrotonale Klangwelt nahöstlicher Musik und steht damit exemplarisch für die stilistische Offenheit vieler aktueller Positionen.
Auch die deutsche Szene ist prominent vertreten: Die Sängerin und Komponistin Sara Decker bringt mit ihrem Projekt ‘Expand’ eine international besetzte, rein weibliche Formation auf die Bühne, während ‘Re:Calamari’ mit energiegeladener Fusion zwischen Jazz, Rock und elektronischen Elementen agieren. Darüber hinaus zeigen Acts wie die Spoken-Word-Künstlerin Sorvina oder das Projekt ‘Rays of Light’ des Trompeters Richard Koch, wie vielfältig und offen die hiesige Szene derzeit aufgestellt ist.

Bonsai Foto: Caroline Golf
Bonsai Foto: Caroline Golf

Über Europa hinaus reicht der Blick unter anderem in die Schweiz: Die Bassistin Knobil hat bereits beim MIBNIGHT Jazzfestival 2025 der Musikerinitiative Bremen begeistert und ist nun auch im Showcase-Programm vertreten. Ergänzt wird das internationale Tableau zudem durch Acts wie die ‘Peter Somuah Group’: Der in den Niederlanden lebende Trompeter aus Ghana verbindet in seinem Spiel westafrikanische Einflüsse mit modernem Jazz und steht exemplarisch für die transnationale Ausrichtung vieler aktueller Projekte. Ebenso prägt die in New York lebende Bassistin und Sängerin Tonina mit ihrem stilübergreifenden Ansatz das Programm, während Produzent Àbáse Jazz mit elektronischen Sounds und globaler Rhythmik verschränkt.
So entsteht über die drei Tage hinweg ein dichtes Panorama aktueller Jazzentwicklungen – kompakt, international und bewusst offen gedacht.

Vom 23. bis 25. April, Kulturzentrum Schlachthof und Halle 7 der Messe Bremen.
Weitere Infos unter jazzahead.de

Simon Denizart tritt bei der Clubnight auf Foto: Philippe Manh
Simon Denizart tritt bei der CLUBNIGHT auf Foto: Philippe Manh

CLUBNIGHT
Zwischen Clubs, Häfen und neuen Spielorten
Wenn die jazzahead! in die Stadt hinausgeht, wird Bremen zur Bühne: Die CLUBNIGHT zählt längst zu den publikumsstärksten Formaten des Festivals – und wird 2026 erweitert gedacht. Neben der Nacht in Bremen am Freitag, den 24. April, gibt es erstmals ein zusätzliches Programm in Bremerhaven. Unter dem Motto ‘Connecting Jazz Ports’ werden Spielorte entlang der Weser – vom Lankenauer Höft über das GOP bis nach Bremen-Nord und weiter nach Bremerhaven – miteinander verbunden.

In Bremen selbst entfaltet sich ein dichtes Netz aus mehr als 80 Acts zwischen Jazz, Rock, Electronica und Soul – verteilt auf Clubs, Kirchen, Museen, Bars und temporäre Bühnen. Neben etablierten Orten kommen auch neue Spielstätten hinzu, etwa die ‘Helga’ in Walle. Beispielhaft für das Programm steht das Konzert des ‘Ray Collins Trio’ im Canova, während im Sendesaal Bremen internationale Besetzungen wie das Trio um Petros Klampanis, Kristjan Randalu und Ziv Ravitz zu erleben sind.

Die Band "BLIZZ" Foto: Finja Baum
Die Band „BLIZZ“ Foto: Finja Baum

Weitere Länder- und Kurationsschwerpunkte setzen zusätzliche Akzente: In der Lila Eule rückt ein Dänemark-Special aktuelle Szenen aus dem Nachbarland in den Fokus, unter anderem mit Formationen wie ‘Kenneth Dahl Knudsen’s Hexora’, die zwischen akustischem Jazz und tanzbaren Grooves vermitteln. Gleichzeitig bringt die mobile BIKE IT!-Stage Musik direkt in den Stadtraum und sorgt an wechselnden Orten für spontane Live-Momente abseits klassischer Bühnen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Partnerland Schweden: Am Lankenauer Höft entsteht mit der ‘Swedish Night’ ein komplett schwedisch kuratierter Abend direkt an der Weser – mit Acts wie dem ‘Emil Brandqvist Trio’, ‘Nine Sparks Riots’, ‘William Soovik Grand Finale’ und dem Projekt ‘BITOI’. Ergänzt wird das Programm durch weitere internationale Formate wie die ‘African Night’, bei der neben Kossi Mawun auch weitere Acts aus dem afrikanischen Kontext auftreten – open air vor Fiete’s Hafenbar oder bei schlechtem Wetter in der Zollkantine. Einen eigenen Akzent setzt die bremer shakespeare company mit einem rein britischen Abend: Hier stehen das ‘Alex Hitchcock Quartet’, ‘Azamiah’ sowie Emma Rawicz auf der Bühne und bündeln aktuelle Strömungen aus dem UK-Jazz-Kontext.

Stina Holmquist Foto: Sandra Ludewig
Stina Holmquist Foto: Sandra Ludewig

Bremen-Nord ist erneut Teil der CLUBNIGHT und wird mit mehreren Spielorten in das Programm eingebunden. Dazu zählen unter anderem das KITO, in dem Stina Holmquist einen zeitlosen Indie-Popsound auf die Bühne bringt, das Schloss Schönebeck, die Stadtkirche Vegesack, das Vegesacker Geschichtenhaus oder die Constructor University. Verbunden werden die Locations durch besondere Formate wie den schwimmenden Jazzclub auf dem Schiff No. 2, der zwischen Martinianleger, Lankenauer Höft und Vegesack pendelt, sowie zusätzliche Fahrten der MS Sansibar. Ergänzt wird das Angebot durch geführte Radtouren des ADFC, die verschiedene Spielorte miteinander verknüpfen und neue Perspektiven auf die CLUBNIGHT eröffnen.

Roseye Foto: Megan Simons
„Roseye“ spielt auf der Clubnight Foto: Megan Simons

Rund um den Bremer Marktplatz setzt das Jubiläumsprogramm weitere Akzente: Hier werden die Partnerstädte Danzig, Riga und Odessa eingebunden. Im St. Petri Dom steht dabei ein energiegeladenes Duo um den ukrainischen Pianisten Andrii Pokaz und den schwedischen Schlagzeuger Magnus Öström (ehemals ‘e.s.t.’) auf der Bühne.
Zur Premiere in Bremerhaven kommen schließlich sieben Spielstätten hinzu, unter anderem im Viertel Alte Bürger. Konzerte finden sowohl in Locations wie dem ‘Pferdestall’ als auch in maritimer Umgebung statt – etwa im Deutschen Auswandererhaus mit dem ‘Sydney Mavundla Quartet’.
So entsteht an zwei Abenden ein weit verzweigtes Programm entlang der Weser – vom innerstädtischen Club über Hafenorte bis hin zu neuen Spielstätten im Norden und in Bremerhaven.

Am 24. April in Bremen und am 25. April in Bremerhaven, diverse Spielorte.
Für die stadtweite CLUBNIGHT gilt weiterhin: ein Ticket (40 €/20 € ermäßigt), inkl. Bus und Bahn in Bremen/Niedersachsen – 40 Clubs, zwei Nächte.
Weitere Infos unter jazzahead.de

Deutscher Jazzpreis
Ausgezeichneter Jazz
Im Rahmen der jazzahead! wird am 25. April im Congress Centrum Bremen eine der wichtigsten Auszeichnungen der deutschen Jazzszene verliehen – und kehrt damit im Jubiläumsjahr an die Weser zurück. Seit 2021 würdigt der Preis die Innovationskraft des Jazz und rückt herausragende Künstler:innen sowie Projekte aus Musik, Journalismus und Vermittlung in den Fokus.

Thelma Buabeng modereirt gemeinsam mit Götz Bühler die Verleihung des Preises Foto: Kimi Palm
Thelma Buabeng moderiert gemeinsam mit Götz Bühler die Verleihung des Preises Foto: Kimi Palm

Für die sechste Ausgabe wurden rund 1.200 Einreichungen gesichtet. In einem mehrstufigen Verfahren haben 36 Jurymitglieder die Preisträger:innen in 21 Kategorien bestimmt. Die international besetzte Hauptjury vereint Perspektiven aus künstlerischer Praxis, Medien und Kulturmanagement und bildet die Vielfalt der Szene bewusst ab.
Der Preis versteht sich dabei nicht nur als Auszeichnung einzelner Leistungen, sondern als Plattform für die gesamte Bandbreite des Jazz: von etablierten Künstler:innen bis zu neuen Stimmen, von Aufnahmen und Live-Projekten bis hin zu journalistischen und vermittelnden Formaten. Ziel ist es, die Sichtbarkeit des Jazz zu stärken und seine Entwicklung national wie international voranzutreiben.

Götz Bühler Foto: M3B GmbH Jens Schlenker
Götz Bühler Foto: M3B GmbH Jens Schlenker

Moderiert wird die Verleihung von Götz Bühler, künstlerischer Leiter der jazzahead!, und erstmals von Thelma Buabeng, die als Schauspielerin, Podcasterin und Aktivistin für afrodeutsche Perspektiven bekannt ist. Für den musikalischen Auftakt sorgt das Moses Yoofee Trio mit einem zeitgenössischen Mix aus Jazz, Hip-Hop und R’n’B.
Am 25. April um 19:30 Uhr, Congress Centrum Bremen
Tickets und weitere Infos unter: deutscher-jazzpreis.de.

Christoph Becker

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