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Ulrik Happy Dannenberg – ‘was geht’

12. August 2020 - 21. August 2020

In Kunstharz gegossene Bonbons, überdimensionierte Lutscher und quietschbunte Bilder, in denen Comicfiguren wie Mickey Mouse, Popeye oder Superman die Hauptrolle spielen – das ist die Welt des in Wanne-Eickel geborenen Wahlbremers, dessen Kunst jetzt in einer Werkschau in Bremerhaven zu sehen ist.

BREMER: Wie kommt man auf die Idee, Süßigkeiten in Kunstharz zu gießen?
Ulrik Happy Dannenberg: Süßigkeiten stellen sich für mich in ihrer formalen-ästhetischen Erscheinung sehr positiv dar. Ihre Farben und Formen machen Appetit sie zu essen, anzufassen – sie besitzen eine große Anziehungskraft. Künstlerisch-ästhetisch ist das sehr interessant, weil ich in meinen Bildern oder Objekten ebenfalls genau diese Wirkung auf den Betrachter erreichen möchte.
Die Herausforderung für mich ist dabei, dass meine Betrachter/Kunstkonsumenten Erwachsene sind und eben keine Kinder. Was zur Folge hat, dass Erwachsene mit dem verbildeten Blick auf meine Kunstwerke blicken und ich sie dennoch mit einer ähnlichen Freude, einem ähnlichen Begehren konfrontieren möchte, wie es bei Kindern und Süßigkeiten funktioniert.
Sind nun meine Süßigkeiten in Gießharz eingeschlossen und für die meisten menschlichen Sinne nicht mehr erreichbar (Riechen, Tasten, Schmecken, Berühren) außer für das Auge, entsteht ein ästhetischer Verlust – es entsteht ein Begehren, auf das Kinder mit Enttäuschung reagieren, weil sie nicht mehr an das Süße herankommen – Erwachsene können die ästhetische Abstraktion dahinter verstehen…

Was fasziniert dich an Bonbons in künstlerischer Hinsicht besonders?
Ihre ästhetische Wirkung und Ausstrahlung aufgrund ihrer Form und Farbe und ihre Eigen-Werbung in ihrer Verpackung. Die Verpackung und Verhüllung bei Süßem ist mit der Mode für Menschen vergleichbar…

Wieviel Süßigkeiten isst du selbst wöchentlich?
Ich esse sehr selten Süßigkeiten! Sie sind mir zu süß…sie sehen eben nur gut aus! (lacht)

Ist es schon mal vorgekommen, dass Besucher deiner Ausstellungen versucht haben, deine Kunst zu essen?

Nein, aber die Betrachter können sich meis­tens nicht zurückhalten, die Bilder oder Objekte anzufassen.

„Putto“

Eines deiner neuen Werke ist der ‚Putto‘, ein mit Kohle auf Papier gezeichneter kleiner dicker Engel. Er kontrastiert deine übrige Kunst – wie passt er dazu?
Ich habe als Kind sehr viel gezeichnet. Dann etwa 20 Jahre pausiert und erst wieder während meiner Ausbildung zum Holzbildhauer in München in der Kunstakademie und in den Museen gezeichnet, weil es Teil der Ausbildung war und mir sehr viel Freude bereitet hat. Dann im Kunststudium in Dresden überhaupt nicht und jetzt nach 20 Jahren wieder… Covid 19 hat mich entschleunigt und viel zum Nachdenken angeregt. Außerdem habe ich das Zeichnen sehr vermisst – geht aber nur, wenn ich die Muße habe und den Kopf freibekomme…auch fehlte der Mut, wieder anzufangen, weil ich glaubte zu scheitern. Das bedeutet Überwindung und Mut, es trotzdem zu tun – nun werde ich dafür belohnt!
Ich bin äußerst zufrieden und sehe neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten im Medium ‘Zeichnung’. Der Putto ist ein Motiv aus der Barockzeit und hat eine eher sentimentale Bedeutung…

Ein Bild zeigt Superman mit einem Heiligenschein zusammen mit Popeye und einem Geistlichen – wie passen die drei zusammen?
Das Gemälde ‘don’t knock on heaven’s door’ zeigt eine Dreieckkomposition, bestehend aus Popeye, Superman und einem ‘Scheinheiligen’. Ich spiele hier auf eine klassische Dreifaltigkeitsszene aus dem christlichen Kontext an, bei der es um Gottvater, Sohn und den Heiligen Geist geht. Bei mir sind die Figuren entsprechend so eingesetzt, dass ihre Wahl, Zuordnung und Darstellung (Comic-Welt) eine Provokation darstellt. Der sog. ‘Scheinheilige’ (Zitat einer Altar-Figur von Ignaz Günther) ist als solcher an seinen Attributen zu erkennen: statt des Bischofsstabes mit Christus-Figur hat meiner einen Bischofsstab mit Ford-Mustang-Emblem. Damit will ich auf die zeitgemäßen Missstände und Affären innerhalb der Kirche hinweisen.

Deine Kunst sprüht nur so vor Lebensfreude! Ist ‚Happiness‘ das Hauptmotto deiner Kunst?
Ich möchte den Betrachter in eine Welt entführen, in der die menschlichen Sinne zur Freude angeregt werden. Das mag manchmal visuell übersteigert wirken und zu viel sein. Meine künstlerische Ausgelassenheit kennt im ästhetischen Bereich keine Grenzen und wenn da welche wären, würde ich sie übertreten wollen…ich liebe Ausgelassenheit und Blödsinn, weil mir davon im Alltag zu wenig vorhanden ist.

Manche bezeichnen deine Werke als Pop. Gehst du damit d’accord?
Ja und nein, weil es mit ‘Konsumgütern’ zu tun hat. Meine Kunst ist aber keine Pop Art, weil diese Geschichte ist. Es müsste eine neue Bezeichnung her, die was mit Pop Art zu tun hat. Pop Art wollte die Warenwelt zur Kunst machen. Eine einfache Suppendose in die Galerie stellen und sie damit zum Kunstwerk erklären. Dieser Schritt war neu und seine Philosophie dahinter auch. Mich interessiert es überhaupt nicht, ob das, was ich mache, Kunst ist oder nicht. Ich will Bilder erschaffen, die durch ihre Erscheinung den Betrachter in meine Welt beamen, in der es überschwänglich zugeht und in der sich die menschlichen Sinne austoben können…eine gesunde Reizüberflutung, in der man sich, wie beim Sport, auspowern kann und danach wieder erholen muss. Man soll merken, dass man noch was merkt und es genießen!

Zurzeit werden wir gesamtgesellschaftlich von einer Krise überschattet – hat ‚Corona‘ deine Art, Kunst zu machen, verändert?
Ja, ich zeichne wieder, was sehr sehr lange her ist….dazu brauchte ich Muße. Mein Blick auf die Gesellschaft und auf die Welt hat sich nochmals geändert (verschärft) und er hat sich in vielen Details bestätigt. Leider brauchen die meisten Menschen erst einen Lockdown, um sich wieder mit sich und ihrer Umwelt zu beschäftigen. Zu spüren was ‘Zeit’ bedeutet…mal eine Art Einschränkung auszuhalten und Dinge infrage stellen, die nie selbstverständlich waren…
Regina Gross

Details

Beginn:
12. August 2020
Ende:
21. August 2020
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
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Webseite:
https://www.galerie-149.de/ausstellungen/

Veranstaltungsort

Galerie 149
Bürgermeister-Smidt-Straße 149
Bremerhaven, Bremen 27568 Deutschland
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Telefon
0471414639
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