Ursprünglich aus der evangelischen Kirche und der evangelischen Frauenarbeit entstanden, demonstriert heutzutage fast paritätisch besetzt wöchentlich eine Mahnwache auf dem Bremer Marktplatz. Jeden Donnerstag von 17-18 Uhr sind die Demonstranten hier anzutreffen. Sie sind offen für Gespräche und setzen sich mit aktuellen Themen auseinander, aber auch mit anhaltenden Problematiken in der Lokal- oder Weltpolitik. Zum Zeitpunkt unseres Besuches, am 05.03. war ein Schwerpunktthema vor allem Julian Assange, der Wikileaks-Gründer.

Das große Transparent auf der linken Seite wird bereits seit Beginn der Mahnwache im letzten Jahrhundert verwendet.

Früher seien sie feindlicher aufgenommen worden, so erzählt eine Demonstrantin. Mittlerweile sind viele freundlich und unterstützen die Ansichten auf den Transparenten und Schildern, die zum Teil auch am Bremer Roland aufgehangen sind. Die Position spielt hierbei auch eine Rolle: Sie stehen zwischen dem Parlament und dem Rathaus, um auf Themen wie Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit aufmerksam zu machen und klarzustellen, womit sie nicht einverstanden sind.

Politiker selbst kämen manchmal vorbei, manche würden grüßen und manche eher peinlich berührt vorbei gehen – abhängig von der Person und der Fraktion. Der Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte wird von der Gruppe als positiv wahrgenommen, unter anderem weil er der Vereinigung ‚Bürgermeister für den Frieden‘ beigetreten ist, was vor allem ein Zeichen gegen Atomwaffen, der „schlimmsten Waffe, die es auf der Welt gibt“, setze. Wer wäre nicht froh, wenn es keine mehr davon auf der Welt geben würde?

Das volle Interview:

Demonstrantin: Ursprünglich ist dieser Protest entstanden aus einem Gremium der evangelischen Kirche, der evangelischen Frauenarbeit. Wir Frauen sind hier demonstrieren gegangen und protestieren gegangen. Am Anfang auch gegen Atomkraftwerke und gegen Umweltzerstörung und dann ist aber immer mehr die Friedensfrage ins Zentrum gerückt. Dieses Transparent hier, das gibt es von Anfang an, ist vielfach gestopft und verbessert. Aber es ist wirklich seit Jahrzehnten im Einsatz, jeden Donnerstag von 17 bis 18 Uhr. Am Anfang waren es nur Frauen, inzwischen sind wir ungefähr paritätisch aufgestellt.

BREMER: Also stehen Sie hier jede Woche?

Demonstrantin: Jede Woche, ja, immer um diese Zeit. Es gibt hier große Transparente, davon haben wir eine ganze Reihe und halten immer das hoch, was wir für richtig halten. Das ist aber das Transparent, was immer da ist, dann haben wir Schilder, auf denen wir aktuelle Themen aufgreifen. Wenn Sie heute gucken, gibt es zu Assange mehrere Schilder, das beschäftigt uns im Moment. Dann natürlich die Situation in Syrien, im Iran, auch dazu haben wir Schilder. Zu Flüchtlingen haben wir ebenfalls Schilder, wie dieses hier. Und dann gucken wir, was uns aktuell wichtig vorkommt und machen neue Schilder und haben da einen ganzen Fundus, auf den wir zurückgreifen können. Leider bleiben die Sachen meistens über viele Jahre aktuell. Unsere Forderungen werden nicht erledigt.

BREMER: Ist die gesamte Gruppe immer einer Meinung oder repräsentiert da jeder sich selbst? Gerade bei so kontroversen Themen ist ja bestimmt nicht jeder der gleichen Meinung?

Demonstrantin: Viele von uns haben ihre Lieblingsschilder. Wir beschließen zwar die meisten Schilder zusammen, aber manchmal kommen auch Leute, stellen sich dazu und bringen ihr eigenes Schild mit und das wird in der Regel auch akzeptiert. Aber es gibt Schilder, die mögen manche gerne und andere nicht so gerne. Aber dann kann man sich das einfach aussuchen.

BREMER: Also ist das auch relativ offen. Haben Sie das Gefühl, dass das genügend Gehör bekommt?

Demonstrantin: Die Leute, die hier vorbeigehen, sind überwiegend positiv. Es stellen sich natürlich wenige Leute mit uns hier her. Aber so von der Haltung her, das erzählen ja viele, die am Anfang dabei waren, war das früher viel feindlicher. Wir stehen ja jetzt ab dem Frühjahr wieder auf dem Marktplatz und für uns ist das eine Position, die auch sichtbar und hörbar sein soll. Manchmal machen wir da auch kleine Kundgebungen draus. Das ist schon wichtig, dass wir hier zwischen Dom und Bürgerschaft, also Parlament und Rathaus unsere Meinung kundtun und sagen, dass wir mit vielem, was hier läuft, in Bezug auf Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit in der Welt nicht einverstanden sind.

BREMER: Haben Sie auch schon Rückmeldungen von Politikern bekommen?

Demonstrantin: Manchmal kommen welche vorbei, die wissen sehr wohl, dass wir hier stehen. Oft sind ja die Parlamentssitzungen zuende, wenn wir hier stehen. Manche grüßen uns, manche gehen etwas peinlich berührt vorbei, das kommt so auf die einzelnen an. Auch auf ihre persönliche Haltung, aber natürlich auch auf ihre Fraktion.

BREMER: Wie stehen Sie denn so zu unserem Bürgermeister, Dr. Andreas Bovenschulte?

Demonstrantin: Der macht ja keinen schlechten Job bisher.

Demonstrant: Der ist ja auch aufgeschlossen.

Demonstrantin: Muss man gucken, wie sich das entwickelt. Bremen ist natürlich eine Stadt mit einem großen Anteil von Rüstungsbetrieben. Und so ein Bürgermeister muss natürlich eiern. Das ist eine große Einnahmequelle. Was positiv ist in Bremen, aber nicht erst seit Bovenschulte: Auch die letzten Bürgermeister waren schon der weltweiten Vereinigung Bürgermeister für den weltweiten Frieden beigetreten. Da ist auch Sieling vorher gewesen. Da ist ja Bovenschulte nun auch. Das richtet sich vor allem gegen Atomwaffen, das ist ja die schlimmste Waffe, die es gibt auf der Welt. Und wenn die verschwunden wäre, da wären wir schon mal ganz froh.