Der Bremer präsentiert: Of Curious Nature
Bodily Me – Bodily Us
Mit der kommenden Uraufführung setzt das Bremer Ensemble ‘Of Curious Nature’ seine intensive Auseinandersetzung mit Körperwahrnehmung, Identität und gesellschaftlichen Zuschreibungen fort. Entstanden ist ein zeitgenössischer Double-Bill zwischen Selbstsuche, Widerstand und körperlicher Selbstermächtigung. Eine Produktion die aktueller kaum sein könnte.
Nach ‘Skin Deep’ richtet der neue Tanzabend den Blick auf die Frage, wie Menschen sich selbst erleben und wie stark dieses Selbstbild von äußeren Erwartungen und gesellschaftlichen Blicken geprägt wird.
Im Zentrum steht dabei ein Thema, das derzeit mit besonderer Wucht verhandelt wird: das Spannungsfeld zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdbild. „Dieses Spannungsfeld begleitet uns Menschen zwar seit jeher“, erklärt Dramaturgin Anke Euler im Gespräch, „die Frage: Wie empfinde ich mich selbst und wie werde ich gesehen?“
Heute werde diese Reibung jedoch massiv verstärkt – durch soziale Medien, digitale Selbstinszenierungen und künstlich erzeugte Bilderwelten. „Dort geht es permanent um Bilder von Körpern, fremde Projektionen und Zuschreibungen.“

Dass sich ausgerechnet der zeitgenössische Tanz mit diesen Themen beschäftigt, erscheint dabei nur folgerichtig. Tänzerinnen und Tänzer arbeiten ständig mit Körper- und Rollenbildern. Gleichzeitig schule körperliche Arbeit auch die Eigenwahrnehmung. „Und hier liegt für uns im Tanz auch die Möglichkeit für tieferes Verständnis der Eingebundenheit des Körpers in Gesellschaft und für seine physisch-emotionalen Abwehrkräfte“, so Euler.
Die Produktion vereint zwei unterschiedliche choreografische Handschriften. Pau Aran und Helge Letonja entwickeln jeweils eine eigene Arbeit, verbunden durch die Überzeugung, dass der Körper ein Ort von Freiheit, Wandelbarkeit und sozialer Beziehung ist.
Ausgangspunkt der Recherche des Gastchoreografen Pau Aran ist das Gefühl, sich im ‘falschen Körper’ zu befinden – allerdings bewusst nicht ausschließlich im Kontext von Geschlechtsidentität. „Genau dieses Gefühl kennt eigentlich jeder Mensch, mindestens aus der Jugend, wenn die Selbstwahrnehmung auf scheinbar perfekte Inszenierungen anderer trifft und man sich vergleicht und falsch fühlt“, so Pau Aran.

Die Produktion greift dabei auch Gedanken des Soziologen Miquel Missé auf, mit dem Pau Aran eng zusammenarbeitet. Dessen Buch ‘The Myth of the Wrong Body’ hinterfragt die Vorstellung, der Körper selbst sei das Problem. Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die beiden Choreografen diese Themen übersetzen.
Während Pau Aran Inspiration in Pflanzen, Pilzen und natürlichen Ökosystemen sucht, interessiert sich Helge Letonja, kürzlich mit dem Sonderpreis der ‘INTHEGA’ ausgezeichnet, stärker für körperliche Erinnerung und somatische Wahrnehmung.

„Mir geht es darum mit den Tänzerinnen und Tänzern das Spannungsfeld zwischen dem Körperbild und der Leibwahrnehmung auszuloten“, so Letonja. Dabei stelle die Choreografie „Körper, die sich in eine äußere Form begeben, dem Leib gegenüber, der sich selbst erspürt. Reibungen und Konflikte treten auf, können sich aber auch in einer Umarmung auflösen“.
‘Bodily Me – Bodily Us’ bewegt sich damit zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Debatte, zwischen Natur und Kultur, zwischen Individuum und Gemeinschaft. Oder, wie es Anke Euler formuliert: „Wenn du mit deinem Körper zusammenarbeitest, erkennst du die Wege dahin, Du selbst zu sein.“
Mika Dunkel
Uraufführung am 23. Juni um 19.30 Uhr, Schwankhalle Bremen. Weitere Termine: 25., 26. & 27. Juni um 19.30 h.
Weitere Infos: schwankhalle.de & steptext.net






