Angesichts der Unmengen an Müll, die Sören Romboy und Pia Steffens auf ihrer Reise durch Thailand auffallen, entscheiden sie sich dazu, ein Zeichen zu setzen. Basierend auf dem Konzept der Kreislaufwirtschaft verwandeln die beiden Gründer alte Fischernetze und Algen in nachhaltige Sportbekleidung. Was genau das bedeutet und wie das funktioniert, verraten Sören und Pia uns im exklusiven Interview.

Der Weg eures Unternehmens begann auf einer gemeinsamen Reise durch Thailand. Erzählt doch mal, was ihr da so erlebt und gesehen habt, das euch auf die Idee eines Labels für nachhaltige Sportbekleidung gebracht hat?
Pia und ich sind im Oktober 2018 durch Thailand gereist. Unser zweites Ziel war die Stadt Rayong im östlichen Thailand. Rayong ist weniger für den Tourismus, sondern eher für seine Industrie bekannt. Am Strand lagen Unmengen an Müll, nach näherer Betrachtung nicht nur aus Asien, sondern auch aus Europa. Hier wurde uns nochmal bewusst, dass unser bequemes Konsumverhalten auf der einen Seite des Planeten schlimme Folgen auf der anderen Seite des Planeten haben kann. Hier entstand der Beschluss: „Wir müssen etwas verändern!“ Pias Kenntnisse durch das Studium im Bereich Mode- und Textil­management, unsere Liebe zum Sport und die Vision, etwas verändern zu wollen, haben dann zu der Gründung von O’ave geführt.

Der Entwicklung eurer Sportmode liegt die sogenannte Kreislaufwirtschaft zugrunde. Was bedeutet dieser Begriff?
Die Kreislaufwirtschaft lässt sich auf viele Branchen und Produkte anwenden. Allgemein geht es darum, Ressourcen zu schonen, indem man Produkte wiederverwendet, repariert und recycelt. Hierbei können die Produkte auch ihren Kreislauf wechseln, Hauptsache aber, sie bleiben in einem Kreislauf und werden nicht auf eine Deponie geworfen oder verbrannt. Im Beispiel unserer Activewear nehmen wir Geisternetze aus dem Meer, regenerieren diese und nutzen sie als Ressource für ein neues Produkt. Den biologischen Kreislauf bilden wir durch das Einbinden der Algenfaser ab. Kurz gesagt entnehmen wir der Natur etwas, was der Natur aber auch wieder zurückzuführen ist.

Für eure Kleidung verwendet ihr regenerierte Fischernetze, Teppichreste und Algen. Woher bezieht ihr diese und wie werden dann Stoffe daraus?
Zusammen mit der Organisation Healthy Seas werden die Fischernetze aus dem Meer geholt. Diese werden gereinigt, sortiert und zum Regenerat eingeschmolzen. Danach findet die Fasergewinnung ähnlich wie bei herkömmlichen Sportjerseys statt.
Der Unterschied hier ist, dass herkömmlich Rohöl gefördert wird, um Regenerate zu erhalten, wir aber nutzen bestehende Abfälle. In dem zweiten Prozess werden die Algen erst getrocknet, dann geschrotet und am Ende in die Cellulose mit eingearbeitet.

Was tut ihr, um euren Produktionsprozess so nachhaltig und ökologisch wie möglich zu halten?
Neben den Ressourcen wollten wir den gesamten Prozess nachhaltig gestalten. Die Konfektionierung, Pflegeetiketten, Logo- Bedruckung, der Digitaldruck und viele weitere Prozesse finden ausschließlich in Deutschland statt. Zum einen, um Lieferwege kurz zu halten und zum anderen, um sicher zu gehen, dass etwa das Wasser, welches beim Druck verwendet wird, wieder durch ein Filtersystem gereinigt wird und nicht wie bisher einfach in den Ganges in Indien läuft. Unsere Ware versenden wir in kompostierbaren Beuteln und CO2-neutral per DHL GoGreen.

Inwiefern lässt sich eurer Meinung nach eine Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche beobachten?
Zum einen merken wir, dass der Konsument ein immer größeres Bewusstsein für sich und sein Handeln entwickelt. Speziell im Bereich der Modebranche haben sich somit viele neue Start-Ups gegründet, welche die Textilbranche wieder nach Deutschland bringen können. Leider mussten wir aber auch feststellen, dass das Hauptthema der Big Player auf den Modemessen ist: „Wie lasse ich den Kunden DENKEN, ich produziere nachhaltig, obwohl ich mein Tagesgeschäft nicht anpasse.“ Wir sind uns aber sicher, dass dieses Konstrukt nicht mehr lange hält und die Konsumenten mehr Transparenz fordern.

Was muss geschehen, um das schnelllebige Modesystem in Zukunft ökologischer und nachhaltiger zu gestalten?
Wir sollten stärkere Forderungen in den Bereichen des Lieferkettengesetzes anstreben und durchsetzen. Durch mehr Transparenz in der Branche wird das Bewusstsein der Konsumenten geschärft. Durch ein höheres Bewusstsein wird die Nachfrage und der Wunsch, nachhaltige Produkte zu kaufen, stark zunehmen und die Industrie wird sich anpassen müssen.

Ruben Schiefke

Weitere Informationen unter: www.o-ave.com und in den sozialen Medien.