Während der Klimawandel stetig voranschreitet, bekommen wir auch in Bremen schon die Auswirkungen zu spüren: Ungewöhnliche Hitze, Trockenheit, und das auch noch mitten in der Corona-Krise.

Das Trinkwasser in Bremen kommt zu 100 Prozent aus Grundwasser. Davon 85 Prozent aus Niedersachsen, haupt­sächlich aus Ristedt bei Syke und Liebenau, aber auch vom Wasserwerk Panzenberg und Wittkoppenberg in Verden.
Die restlichen 15 Prozent der Trinkwassergewinnung werden im Wasserwerk Blumenthal aufbereitet.
Die SWB meldete einen Mehrverbrauch von 13 Millionen Liter täglich – das entspreche etwa 80.000 Einwohnern, die plötzlich hinzugezogen seien.
Doch wo fließen all diese Mengen von Wasser hin? Durchschnittliche Bremer verbrauchten 2019 jeden Tag 121 Liter Trinkwasser. Das sind sechs Liter weniger als der bundesweite Durchschnitt.
Hochgerechnet auf alle Bremer wären das 82 Millionen Liter alle 24 Stunden, mit dem neuen Anstieg also 95 Millionen Liter.
Doch wofür wird das ganze Wasser überhaupt verwendet? Das meiste verschwindet beim Duschen, Baden, der Körperpflege und bei der Toilettenspülung im Abfluss: Ganze 86 Liter (71 Prozent) werden hierfür jeden Tag benötigt.
Hier gibt es also Einsparpotenzial, über das jeder von uns im Sinne einer klimafreundlichen Wassernutzung nachdenken kann.

AF


Der BUND Bremen hat mehrere Maßnahmen, die jeder Zuhause ergreifen kann, ausgearbeitet. Diese beinhalten Geräte und Technik zum Einbauen, mäßiges Umgehen mit wasseraufwändigen Vorgängen und Vermeiden von nicht zwangsläufig notwendigem Wasserverbrauch oder sogar Wasserrecycling. Diese lassen sich unter bremer.de/bund-wassersparen finden.


Im Interview: Alexander Jewtuschenko, Pressesprecher SWB

BREMER: Die SWB hatte kürzlich vor eventuellen Versorgungslücken gewarnt. Welche Beeinträchtigungen könnten uns bei anhaltender Hitzewelle erwarten und wie wirkt sich die Trockenheit auf die Wasserversorgung in Bremen aus?
Jewtuschenko: Eines vorweg: Bislang kommen wir mit den Mehrverbräuchen klar. Sie dürfen nur nicht noch weiter steigen. Wenn jeder seinen Wasserverbrauch nur ein wenig einschränkt, dann wäre das Problem von heute auf morgen gelöst. Sicher kann sich jeder vorstellen, wie es wäre, den Tag ohne frisches Trinkwasser aus der Leitung zu verbringen. Vor allem bei hohen Temperaturen. Davon sind wir aber noch weit genug entfernt. Wichtig ist, sich wieder bewusster zu machen, dass Trinkwasser grundsätzlich begrenzt zur Verfügung steht. In diesem Fall nicht, weil es ein Ressourcenproblem gäbe. Sondern weil das Trinkwassersystem technisch natürlich begrenzt ist.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die ihren Wasserverbrauch reduzieren wollen?
Besonders an mehreren sehr heißen Tagen am Stück hilft: Seltener duschen, den Rasen nur jeden dritten Tag bewässern und den Pool gar nicht oder nur halb befüllen. Würden sich alle daran halten, gäbe es keine Schwierigkeiten. Denn wir sehen die Ursachen für die aktuelle Situation in einer außergewöhnlichen Gemengelage: Wegen Corona sind viele Leute zu Hause und nicht wie sonst im Urlaub. Viel mehr Menschen verbrauchen also gleichzeitig Wasser. Bei über einer Woche von 30 Grad wird häufiger geduscht, der Rasen täglich bewässert und Pools mit tausenden Litern befüllt.

Welche Maßnahmen kann die SWB als Versorgerin ergreifen, um den Verbrauch zu regulieren?
Bevor es zu Versorgungsunterbrechungen kommt, können wir zunächst den Druck in den Leitungen verringern. Dadurch wird weniger Wasser abgegeben und die Gesamtmenge steht wieder mehr Verbrauchern zur Verfügung. Ein nächster Schritt wäre, einzelne Verbraucher von der Versorgung abzutrennen, die nicht existenziell wichtig sind, beispielsweise Autowaschanlagen. Als nächstes allerdings würden bereits einzelne Straßenzüge oder Stadtteile zeitweise nicht mehr versorgt werden.

Wann wäre der Punkt erreicht, an dem etwa mit Verboten oder Einschränkungen aktiv eingeschritten werden müsste, um Schlimmeres zu verhindern?
So etwas wäre wohl eher Aufgabe der Stadt und Senatorinnen und Senatoren. Aber das wollen wir ja vermeiden. Wir gönnen jedem eine erfrischende kalte Dusche. Und auch einen strahlend grünen Rasen. Und auch den Pool zum Planschen mit den Kids. Ehrlich. Wenn aber jeder einen Beitrag dazu leistet, dass es gar nicht erst zu Einschränkungen kommen muss, ist schon viel geholfen. Gemeinsam ist Wassersparen schnell und einfach zu wuppen.

Ruben Schiefke